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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-03-01 · Heft 3 (1.3.1906) · p. Seite 53

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 3 (1.3.1906)
Date
1906-03-01
Page
Seite 53 (sequence 7)
Language
German
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entschlossen sind, das ist es, glauben wir, was uns würdig macht, Deutsche zu sein und zu heißen. Die kräftigen Klänge deutscher Sprache, die Gesänge deutscher Dichter, haben in unserer Brust das heilige Feuer der Freiheit entzündet und genährt; der Hauch der Freiheit, der über die deutschen Gauen zög, hat unsere schlummernden Freiheitshof^nungen geweckt, und manche frohe Aussicht ist ihnen schon seitdem geworden. Wir wüllen dem deutschen Vaterlande angehören. Wir werden ihm aller Orten angehören. Es kann und darf und mag von uns Alles fordern, was es von seinen Bürgern zst fordern berechtigt ist; willig werden wir ihm Alles opfern — nur Glauben und Trieue, Wahrheit und Ehre nicht; denn Deutschlands Helden und Deutschlands Weise Haben uns nicht gelehrt, daß man durch solche Opfer ein Deutscher wird!" ^m folgenden Jahre, 1832^ begann Riesser die Herausgabe einer Zeitschrift: „Der Hude. Periodische Blätter für Religion und Gewissensfreiheit." Sie erschien in zwei Jahrgängen. In der Einleitung rechtfertigt er den Titel, denn er spricht nicht mehr vpn Bekennern des mosaischen Glaubens, sondern von Juden. ^Wenn ungerechter Haß an unserem Namen haftet, sollen wir ihn dann verteugueü, anstatt alle unsere Kraft daran zu setzen ihn zu Ehren zu bringen? — Wir lachen über die kindische Sitte unserer Vorfahren, dem gefährlich Erkrankten seinen Nameü zu ändern, als würde ihn dann der Todesengel nicht wieder aufzufinden wisien. Sind wir nicht eben so töricht mit unseren modernen umschreibenden Bezeichnungen? Glaubt mir, der Haß weiß seinen Mann zu finden, so gut wie der Todesengel, und so lange er ihn sucht, wird er ihn durch tausend begütigende Namen hindurch erkennen!" Als Riesser 1832 nach Frankfurt kam, ward ihm in der Harmonie, dem Festsaal der Loge zur aufgehenden Morgenröte — der er beitrat — ein Festmahl bereitet und ein nach Oppenheims Zeichnung kunstvoll bearbeiteter Pokal mit der Inschrift: „Dr. Gabriel Riesser, dem Kämpfer für Licht und Recht, seine Freunde und Verehrer" überreicht. Die Deckelspitze bildet ein knieender Engel, der, zerbrochene Ketten in den Händen, dankbar aufblickt. Der Pokal ruht auf einem Ritter, der den Drachen erlegt hat, indem er ihm den Schild „Licht und Liebe" vorhält und eine Fackel emporhebt. Diese „warme herzliche Teilnahme", schrieb Riesser, enthielt für ihn „mehr Belohnendes, als er sich bei seinem ersten Auftreten in seinen kühnsten Erwartungen hätte träumin lassen" und strafte die Juden Lügen, die ihm oft gesagt; „die Juden seien undankbar, ihre Verdienste seien von ihnen nicht gehörig anerkannt upd belohnt worden". „Leider" fügte er eben so bescheiden als bitter hinzu: „habe er mehr Dank geerntet als -t wenigstens durch den Erfolg — verdient". Einem Fteunde schreibt Riesser um diese Zeit: „Meine Wärme hat nicht einzig und allein ihre Quelle in der abstrakten Rechtsidee, sondern in einem innigen, wenn auch meiner oberflächlichen Kenntnis wegen mehr auf Gemüt und Pietät als auf dem Urteil beruhenden Anhänglichkeit an jüdisches Leben und jüdische Sitte."

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