Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1906)
- Date
- 1906-02-01
- Page
- Seite 44 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Rektor der neuen Handelshochschule wäre Herr Jastrow als Jude wohl auch nicht geworden, wenn dieselbe staatlichen Charakter hätte; aber hier handelt es sich um ein von der Berliner Kaufmannschaft begründetes und zu unterhaltendes höheres Lehrinstitut und hier sind eben — wenigstens das erstemal die Ältesten der Kaufmannschaft später der Lehrkörper — die Instand,'die den Rektor gewählt. — In Bamberg wurde die Erbauung einer neuen Synagoge mit einem Kostenaufwand von ZOOOMMk. beschlossen. — , In Cöln hat sich ein Gabnel Rießer-Verein gegründet. — Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Äöln hielt H^rr Dr. Heinrich Frank einen Vortrag über „Ferdinand Lassalle", Als Jude, Denker und Kämpfer, wie die Grabschrift Lassalle's lautet, schildert der Redner beiji Werdegang dieses großen Juden, der für das Judentum so gar nichts tat, der aber her Bahnbrecher einer neuen Lehre und Wissenschaft war, die die heute bestehende große sozialdemokratische Partei schuf. Natürlich konnte der Vortragende von Lassalle als ^uden nicht viel sagen; am Eingang des Vortrages wurde hervorgehoben, daß wie aus Lassalle's Tagebuch hervorgeht, er auf seine Abstammung und auf sein Judentum stolz war, es schien aber bei diesem Niederschreiben zu bleiben, denn in seiner ganzen so mannigfaltigen Betätigung trat er nicht ein einziges Mal als Jude hervor; weder für die! Rechte der deutschen Juden, noch für die Rechte des jüdischen Volkes sprach er je ein Wort. Sein Judentum tritt erst wieder hervor als er Helene v. Dönniges, um die er warb und um die er im Zweikampf mit Rakovitz fiel, nicht heiraten konnte, weil er-4- Jude war. -- In Wien starb am 19. Dezember 1905 Herr Baurat Max Fleischer, bjer in seinem Fache ein hervorragender Künstler war. Er ist der Erbauer vieler öffentlichen Gebäude, u. a. dreier Synagogen in Wien im 6., 8. und 9. Gemeindebezirk, sowie her Synagoge in Budweis, Pilgram, Krems, Lundenburg, Nikolsburg und Brünn u. a. j Fleischer nahm am jüdischen Gemeindeleben lebhaften Anteil, er gehörte seit vielen Jahren dem Vorstande der Kultusgemeinde an und war Präsident des Mariahilfer Tewpelvereins. — Im äußersten Süden Siebenbürgens, unweit der rumänischen Karparthen, jm kleinen und ruhigen Dörfchen Bözöd-Ujfalu, lebt eine arme Judengemeinde, deren Mitglieder Ackerbauer,. Stein- und Holzhauer sind. Sie sind die einzigen, noch am Ltben gebliebenen Zeugen eines großen, weltgeschichtlichen, seltsamen Ereignisses. Die tosenden Stürme, die in ihren Häusern gewütet, haben nur wenige Spuren hinterlassen.!Wenn die Frühlingssonne auf dem Felde glänzt, ziehen sie hinaus zur Arbeit. Die Zocken an den Schläfen und die Schanfäden an den vier Ecken ihrer langen Hemden, sind die einzigen Merkmale, die ihren jüdischen Glauben verraten. Ihre ausgeprägten Bauerngesichter und die Szekter Tracht zeigen zu deutlich, daß die Ahnen dieser Männer! nicht dem jüdischen Volksstamm entsprungen sind. Sie nennen §ich „Sabbatarier" nach dem jüdischen Sabbat, den sie gleich den Juden heilig halten. 160 Märtyrer blieben noch übrig von all den tausenden und abertausenden Sabbatariern, die für den jüdischen Glauben ihr Gut und Leben bereitwillig geopfert haben. Die Geschichte des Sabbatariertums in Siebenbürgen erstreckt sich über einen