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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-02-01 · Heft 2 (1.2.1906) · p. Seite 43

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 2 (1.2.1906)
Date
1906-02-01
Page
Seite 43 (sequence 21)
Language
German
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43 die in Rußland selbst Ibeigesteuert wurden. Das Hilfskomitee in New-Iork hat den sehr verständigen Beschluß gefaßt, das eine Million betragende Ergebnis der amerikanischen Sammlungen nicht mehr nach London zu überweisen, sondern als Unterstützungsfonds der sicherlich in verstärkter Zahl nach Amerika flüchtender russischer Glaubensgenossen zu verwenden. Von den gesummten Beträgen sind bis zum 21. Dezember 1905 200000 Lstr!. 4400000 Mk. von der Londoner Zentrale nach Rußland überwiesen worden. — Die Sammlungen für das russische Hilfswerk in Brüssel haben die Summe von 220000! Frcs. erreicht. In Antwerpen sind noch 75 000 Frcs. eingegangen, darunter 2500 Frcs., welche der Munizipalrat aus städtischen Mitteln bewilligt hat. — Der vor IV2 Jahren gegründete jüdische Frauenbund ui Berlin hielt am 27. Dezember 1905 seine erste General-Versammlung ab. Es waren etwa 70 Delegierte anwesend. Fräulein Pappenheim^Frankfurt a. M. begrüßte die Versammlung und setzte auseinander, welchen Aufgaben sich der Bund auf dem Gebiet der Wohltätigkeitspflege und sonstiger sozialer Hilfsarbeit zu widmen habe. Nach dem Geschäftsbericht von Frau Direktor May—Berlin hat sich der! Bund unter Zustimmung des „Hilfsvereins der deutschen Juden" diesem zur Mitarbeit bei der Fürsorge für die russischen Auswanderer zur Verfügung gestellt. Fraulein Werner—Hamburg trat in einem Referat für die Anteilnahme der jüdischen Frau an beir Gemeindearmenpflege ein. Auf Antrag Fräulein Pappenheims beschließt die Versammlung energisch Beteiligung bei der Unterbringung der russischen Waisenkinder, fernes: Maßnahmen zur Errichtung eines ländlichen Mädchen- und Frauenheims. Die nächste ^Versammlung findet Ende 1906 zu Berlin statt. — Bei der in Berlin stattgefunden^n Versteigerung der Meyer Cohnschen Handschriften wurde ein einzelner Brief Goethes mit 2100 Mark bezahlt, und zwar der, in dem er von Clavigo, Götz und den Leiden des jungen Werther spricht und u. a. sagt: „In der Nacht vom 28. auf den 29.- May kam Feuer aus in unsser Judengasse, das schnell und gräßlich überhand nahm,! ich schleppte auch meinen Tropfen Wasser hyn und die wunderbarsten, innigsten, mannigfaltigsten Empfindungen haben mir auf der Stelle meine Mühe belohnt. Ich habe bey dieser Gelegenheit das gemeine Volk wieder näher kennen gelernt, 'unb binn aber uyd abermal vergewiffert, daß das doch die besten Menschen^ sind." — Prof. Jastrow, der, auf dem Gebiete der Sozialpolitik Hervorragendes geleistet hat und insbesondere durch seinen „Arbeitsmarkt" vorbildlich auf die nach diesem Muster geschaffene und dem statistischen Reichsamt angegliederte Abteilung für Arbeitsstatistik gewirkt hat, und der damals bei der Besetzung der Leitung dieses Amtes, das der Idee Jastrdws fein Entstehen verdankt, vom Staate übergangen wurde, ist jetzt von den Ältesten der Kaufmannschaft zum Rektor der Handelshochschule in Berlin erwählt worden, die im Oktvber eröffnet wird. Professor Jastrow ist zwar nicht der erste Jude, der das Rektorat einer Hochschule erhalten hat, allein in den ersten Jahrzehnten ist ja, wie stlänniglich bekannt, die Ernennung von Juden zu Professoren, geschweige denn die Wahl zum Rektor einer Universität, eine der größten Seltenheiten. Der

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