Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-02-01 · Heft 2 (1.2.1906) · p. Seite 45

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 2 (1.2.1906)
Date
1906-02-01
Page
Seite 45 (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2969669-2970002-2970005--7876-2978571
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

'f — 45 - i weiten Zeitwum von mehr als dreihundert Jahren; der Schauplatz derselben bleibt stets Siebenbürgen, dessen eigene, urwüchsige Frucht diese Sekte ist. Ter siebenbürgische Sabbatarisipus ist ein legitimes Kind einer von einem Manne namens Davidis gestifteten, reformierten Sekte, die die Einzigkeit Gottes ehrte. Was nicht im Testamente stehe, behaupteten die Davidiner, sei vc n Pfaffen erfunden und erlogen. Nur noch drei Familien gehören heute der alten sadbatarischen Sekte an. Der Ortsrichter Sallos Jnzsef, der das Ritualienbuch P« chis nach heilig hält, der den Sabbat streng feiert und die Speisegesetze befolgt, der aber der römisch-katholischen Kirche beitreten mußte, er ist der letzte trejue Vertreter des einst so nächtigen Sabbatariertums in Siebenbürgen. — Eine große! jüdische Bibliothek erhielt die ungarische Akademie der Wissenschaften zum Geschenk. ($3 handelt sich um die cur seltenen Werken und wertvollen alten Handschriften reiche Bibliothek des vor Jahren in Karlsbad plötzlich verstorbenen Budapester Seminar-Prpfessors Dr. David Kaufmann. Nachdem auch dessen Witwe, eine geborene Gompertz, stprb, ging die Bibliothek a ff die Verwandtschaft über und diese schenkte sie der Akademff. — In Wien hielt Herr Dr. M. Grunwald einen Vortrag über „Das Frankfurter Ghetto" mit Vorführung von Lichtbildern. — Herr Professor Dr. Adolf Büchler von der Israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien-ist zum stellvertretenden Direktor desj Jewish College in London gewählt worden. — Sir Horace Rumbold, der frühere Botschafter Großbritanniens am Wiener Hofe, hat die Geschichte seiner Diptomatenlaufbahn in einem Memoirenwerk beschrieben, dessen dritter und letzter Band jüngst erschienen ist. Der Verfasser äußert sich darin u, a. auch in sehr beachtenswerter Weise über die Frage des Antisemitismus. „Der Antisemitismus — sagt er 4ist eines der erlisteten Übejt, an denen das öffentliche Leben in Österreich leidet, und e^ gibt in Wien keinen verderblicheren Einfluß als den des bigotten und herrschsüchtigen Bürgermeisters Dr. Lueger, der unglücklicherweise die fließende rhetorische Macht eines geborenen Demagogen hesitzt. Der Wahnsinn seines leidenschaftlichen Kreuzzuges gegen die Juden ist durch die! verheerenden wirtschattlichlen Resultate, die er zur Folge hafte, rasch offenkundig geworden. Die österreichische Legierung tut wohlweislich ihr Bestes, um den Antisemitismus im Zaume zu halten, idem sich auch der Kaiser stark widersetzt, da er denselben ganz richtig für unsittlich unh gefährlich hält. „Ich werde in'meinem Staate keine Judenhetzen dulden," sagte er zum Rabbiner von Prag nach den antisemitischen Exzessen in Böhmen und Mähren, nach der bekannten Affäre von Polna." — In Paris wurde der Hospitalarzt Herr Dr. Arnold Netter, Mitglied der Akademie der Medizin, an! Stelle des verschiedenen Julius Oppert zum Vizepräsidenten der Alliance Israelite Universelle gewählt. — In einem höchst lesenswerten Feuilleton „lieber die medizinischen! Studien und die ärztliche Praxis in Italien" (Deutsche medizinische Wochenschrift! 24. 8. 1905) teilt Profes or Carrara in Turin unter anderem auch Nachstehendes mit: „Einen großen Vorzug der italienischen Universitäten bildet ihre Toleranz in religiöser Beziehung. Bei uns bestehen keinerlei konfessionelle Vorurteile; der Anti-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.