Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1906)
- Date
- 1906-02-01
- Page
- Seite 42 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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42 — widersetzt haben, und wie dies heute alles anders geworden ist. Zwischen dem alten talmüdischen Bildungsideal und der modernen Wissenschaft mußte eine Zeit der Aufklärung kommen. Der Vortragende erörterte sodann Begriff, Entwicklung und Umfang der Wissenschaft des Judentums und ging dann zur Beantwortung der Frage über, was die jüdische Gemeinschaft bisher für die Wissenschaft des Judentums getan habe. Er betonte,, wie die freie wissenschaftliche Forschung auch ganz freie, unabhängige Männer verlange und daß es deshalb notwendig sei, besondere wissenschaftliche Beamte zur Erledigung der großen Aufgaben -der Gesellschaft anzustellen. Die Wahlen ergaben Wiederwahl des bisherigen Vorstandes durch Akklamation; für den sel. Dr. Kayserling wird Dr. Porges-Leipzig vorgeschlagen nnd gewählt.- An den Vortrag schloß sich eine anregende Diskussion. — Im Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sprach jüngst Herr Rabbiner Dr. Jakob-Göttingen in Berlin über das Thema: „Der christliche Staat". Der Redyer versteht darunter die tatsächliche größere oder geringere Beeinstnssung eines Staates, feiner Einrichtung, und Gesetzgebung durch das Christentum. In diesem Sinne darf man nitt Fug den fundamentalen Satz aussprechen, daß die letzte Wurzel, aus der alle Rechtsverweigerung an die Juden hervorgeht, der christliche Staat ist. Langsam erwuchs jedoch im Zeitalter der Humanität der Rechts- und Kulturstaat. Die französische Revolution war der Todesstoß für den christlichen Staat. Die Geschichte Her Juden im 19. Jahrhundert ist größtenteils die Geschichte ihrer schrittweisen Emanizipation bis zum Gesetze vom 3. Juli 1869, bas die Bekleidung von Staats- Bekenntnis machte; das neue Deutsche Reich entsteht nicht sondern als moderner, nationaler Rechts- und Kulturstaat. So kann der Begriff christlicher Staat weder vor der Geschichte noch vor der Kritik bestehen. Der preußische Staat hat seine höchste Blüte zu verdanken der Regierung eines Mannes, der gewiß eiy dezidierter Nichtchrist, -einer der größten Freidenker des 18. Jahrhunderts war, Friedrich dem Großen. Im Kampfe für Gott und die Güter des Himmels, so schloß der yiedner, sollten Judentum und Christentum brüderlich verbündet bleiben; nicht in einefn einzigen Gebot ist die jüdische Sittlichkeit ein Hindernis, an allen Rechten und Pflichten des Staates teilzunehmen. Als eine Gefahr für den Staat könnte nur der äußerlich getaufte Jude bezeichnet werden, welchem nur für diese Taufe alle Rechte in den ScHoß fallen, denn mit ihm führt der Staat ein Element der Unwahrhaftigkeit, der Heuchelei und der Lüge in sich ein. Deshalb darf man die feste Zuversicht hegen, daß auch diss völlige staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden sich durchsetzen wird. Die Sammlungen für das russische Hilfswerk nehmen ihren langsamen aber stetigen Fortgang: Dem „Hilfsverein der Deutschen Juden" sind bisher nahezu'2100000 Mk., dem Komitee in Frankfurt a. M. ca... 750000 Mk., dem Russo Jewish Commitee in London jl18462 Lstr. (246624 Mk), dem Komitee in New-Aork 11000000 Doll. (4400000 Mk.), der-'Alliance israelite 1400000 Mk., der „Israelitischen Allianz? in Wien ca. 800000 Mk. zugangen. Hinzu kommen noch ungefähr 2 000000Mk., ämtern auch, unabhängig vom mehr als „christlicher" Staat,