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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-02-01 · Heft 2 (1.2.1906) · p. Seite 35

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 2 (1.2.1906)
Date
1906-02-01
Page
Seite 35 (sequence 13)
Language
German
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35 etwas entstanden, was man territoriulistischen Zionismus nennen könnte, und eine beschränkte Hahl von verzweifelten Jü)en hat gierig nach dem neuen Mittel gegriffen. Das ist dit Entstehungsgeschichte der jüdisch-territorialistischen Organisation. Ihr Programm ist eine Zufluchtstätte auf der Basis der Selbstverwaltung für alle Juden, welche in ihren gegenwärtigen Heimatländern entweder nicht bleiben können oder wollen. Die Hoffnung der Führer ist darauf gerichtet, von der britischen Regierung ein unbewohntes ner der englischen Kolonien herau^geschnitten und mosten Teil, vielleicht sogar die gesamte Zahl der anderen Ländern aufnehmen zu können. Hier sollen sie ^twas wie einen jüdischen Staat gründen mit weiter Autonomie unter britischer Souveränität. ion noch ohne Territorium. Falls ein geeignetes Territorium zu erhalten, das aus umfangreich genug ist, um einen g unterdrückten Juden in Rußland ur^d Einstweilen ist diese Organisai Land gefunden wird, müßte es nach Ansicht der Führer umfangreich genug sein, um manchen stellen stark übervölkert ist. Kolonien lassen sich nicht über Nacht allmählich^ Arbeit. Die Natur will ausgerodet und bebaut sein. Häuser mindestens vier Millionen Seelen affnehmen zu können, d. h. es müßte mindestens ebenso groß sein wie Irland, das nur 47* Millionen Menschen zählt und bereits an Angenommen, die englische Regierung wäre bereit, ein solches! Territorium herzugeben, wann und wo könnte dieses Land verwertet werden. gründen. Die Kolonisation ist eine langsame und gefreit und gewonnen, der jungfräuliche Boden müssen erbaut und Farmen errichtet werden. Alle diese Vorbereitungsarbeiten müssen von jungen und abgehärteten Pionieren ausgeführt werden, so daß Jahre vergehet dürften, bevor das Land geeignet sein wird, eine größere Zahl Emigranten mit ihren Familen aufzunehmen. An eine Kolonisation, die geeignet wäre, dem dringenden Mangel an einer Zufluchtsstätte für die Opfer der Verfolgung achuhelfen, ist also einstweilen nicht zu denken. Auch gegen den Plan der Führer, wonach die Kolonie eine eigene Autonomie besitzen soll, lassen sich schwere Bedenken erheben. Es ist noch nicht lange her, daß die jüdischen Ghettos in den zivilisierten Ländern erst niedergerissen wurden und die Juden die Erlaubnis erhielten, zusammen mit ihren andersgläubigen Mitbürgern zu wohnen. Nun sollen! die Juden mit eigener H^nd ein neues Ghetto resp. einen Ghettostaat mit eigenen Gesetzen errichten? Als wjenn die Gesetze von England und seine freien Kolonien für die unglücklichen russischen Juden, die bis jetzt in ihrem eigenen Lande praktisch geächtet werden, nicht gut genug wären. Der Plan der territorialistischen Organisation setzt voraus, daß die Juden selber eine Isolierung wünschen, daß sie durch ihre Gewohnheiten und Institutionen sich selber für ungeeignet halten, sich mit dem übrigen TM der Welt zu assimilieren. Ferner muß gefragt werden, laben die Wortführer der jüdisch-territorialistischen Organisation die Kosten in Betracht gezogen? Die Erfahrungen haben gelehrt, daß eine Kolonisation selbst unter den günstigsten Umständen mindestens 50 Pfund pro Kopf

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