Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1906)
- Date
- 1906-02-01
- Page
- Seite 34 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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34 I Eine Iruntlgebung gegen den lionisnms und gegek den lerritorialismus. Anläßlich der jüngsten schrecklichen Ereignisse hat sich die öffentliche Meinung wieder mit der Frage beschäftigt, was aus den fünf^ bis sechs Millionen Juden Rußlands werden soll, die Frage, die Nicht erst seit der letzten Katastrophe in Südrußland datiert, sondern das Judentum schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert beschäftigt und die im Jahre 1861 mit der Publikation der berüchtigten Jgnatiewschen Maigesetze entstanden ist. Das Judentum der ganzen Welt war seitdem, und nicht ohne Erfolg, bestrebt, die furchtbaren Folgen dieser Gesetze nach Möglichkeit zu lindern. Nahezu eine Million russischer Juden haben teils j mit eigenen Mitteln, teils mit Unterstützung der großen jüdischen Organisationen eine Zuflucht in freien Ländern gefunden. Sie haben in der neuen Heimat große jiidische Luft der Freiheit. Zu dieser den Vereinigten Staaten, Kar Gemeinwesen begründet und atmen nunmehr die gesunde wohltuenden Zerstreuung und Ansiedlung von Juden in ada, Argentinien und anderen Orten hat das englische Judentum auch das Seinige beigetragem, indem es nicht nur einige tausend Flüchtlinge in England selbst ansiedelte, Staaten, Kanada, Argentinien sondern auch einige weitere Tausende in den Vereinigten und anderen Orten untergebracht hat. Diese Hilfe erschien abeb einigen ungeeignet und allzu langsam vor sich zu gehen, denn es blieben in Rußland immer noch fünf bis sechs Millionen Juden zurück. Aus diesen und andern hier nicht Näher zu untersuchenden Gründen ist vor acht -Jahren die zionistische Bewegung entstanden, welche auf dem ersten Kongreß in Basel sich zur Ausgabe gemacht hat, in Palästina eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk zu etablieren. Mein der Zionismus hat in seinem Eifer die wichtigste Tatsache übersehen, ^daß Palästina nicht groß genug ist, um allen verfolgten Juden Aufnahme zu gewähren. Er übersah ferner, daß die besten Ländereien in Palästina bereits in nicht jüdischem Besitze sich befanden und daß der Sultan gegen jede jüdische Immigration in Palästina mit politischem Hintergrund eine wroße Abneigung hegt. Jetzt wird Palästina von den Zionisten selbst nicht mehr als eiue^praktische der Not der Gegenwart abhelfende Lösüng angesehen, und die Hoffnung auf eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte ist zu einer Vision in die ferne Zukunft verblaßt. Diese Vision genügt Viesen Zionisten nicht mehr. Freilich, die Logik der Tatsachen hat das Land der Verheißung einstweilen aus dem Bereiche der Möglichkeiten gerückt. Ein großmütig angebotenes Gebiet in Ostafrika wurde nach sorgfältiger Untersuchung als ungeeignet für jüdische Kolonisation befunden. So blieb das Problem immer noch ungelöst. Die fünf oder sech^ Millionen Juden verblieben nach wie vor in Rußland, kürzten unter der Last der Verfolgung und erstickten im Ansiedlungsrayon. Nun ist