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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-02-01 · Heft 2 (1.2.1906) · p. Seite 31

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 2 (1.2.1906)
Date
1906-02-01
Page
Seite 31 (sequence 9)
Language
German
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Welchen Ersatz ihr auch für die Religion bieten wolltet, sei es das logische Erkennen oder das ethische Tun oder das ästhetische Wohlgefallen, ihr hättet dann nur Teile in der Hand. Liebe ist das geistige Band, das sie zusammenhält. Liebe heißt das Band, durch das uns Gott an sich fesselt, *). und Liebe ist uns die treibendemnd siegende Macht! Alles, was sich bei uns als Erkenntnis, als moralische Gesinnung, als moralisches Tun äußert, alles leuchtet in der göttlichen Flamme der Liebe!-) Jhi seid meine Zeugen! Zeugenschaft legt man ab von dem, was man erfahren, erlebt hak Über die Erfahrung des einzelnen geht uns die Erfahrung eines ganzen Volkes: Gott sehen in der Natur, im Seelenleben, im Einzelleben wie im Völkerleben, das ist das Erkennungszeichen der israelitischen Volksseele. Werden wir auch jene, die den Mut haben, Gott geradezu zu leugnen, werden wir auch diesen ihren Frevelmut niemals brechen können, so sind wir doch wenigstens dessen gewiß, daß die Gottesleugner uns niemals die Religion werden rauben können. Wer nicht über Anfang und Ende, über oben und unten Bescheid zu geben weiß, wer bei den Fragen nach dem Woher und Wohin, nach dem Warum und Wozu wie ein Tor dasteht bei all seinem Wissen — der möge an uns die Macht des Gotteswortes erproben: „Ich bin der erste, uud ich bin der letzte, und außer mir gibt's keinen Gott!" ' Ihr seid meine Zeugen! Ihr wart es von alters her, ihr bleibt es auch in Zukunft! Solange ihr meine Zeugen! bleibt, in Schule und Gotteshaus, im Hause und im Leben, ist eure Zukunft gesichert!! Ihr bezeuget durch euer Dasein, daß die Religion eine Lebensmacht ist, daß sie Dauer! verleiht, daß sie alles Feindliche überlebt. „Die Himmel vergehen wie Rauch, und bij> Erde zerfällt wie ein Gewand, und ihre Bewohner sterben hist wie Mücken, aber mein H>eil bestehet ewiglich. Darum fürchte nicht mein Volk, das meine Lehre im Herzen tisägt, fürchtet nicht den Hohn der Menschen, von ihren Schmähungen lasset euch nicht Niederschlagen!"3) Fürchtet nichts, erschrecket nicht! Seht, „die Weltreiche der Urzeit unj> des Altertums, Babylon, Medien, Griechenland, Rom sind vom Erdboden verschwundey; ein Reich kommt, ein Reich vergeht: aber Israel hat ewigen! Bestand."4)!! III. Israel hat eine Vergangenheit^ Israel hat eine Zukunft. Doch da vernehmen wir den Einwurf: Wie könnt ihr an eure Zukunft glauben, da ihr euch doch verloren habt! Ihr lebt nur der Gegenwart,! jeder ideale Sinn ist euch entschwunden! Genuß ist eure Losung, den materiellen Interessen opfert ihr euer Persönlichstes, dem Vorteil eure Überzeugung, der Stellung eure! Gesinnung! Untreue und Gelvissenlosigkeit gehen bei euch Hand in Hand! Ihr lebt pur der Gegenwart, und fremd ist euch die Sorge um euer Seelenheil in einer zukünftigen Welt! -h 1 *) Hdsea 11, 4; Jeremia 31, 2. y V. Mose 6, 5. 3) Jesaia 51. 6—7. 4) Pesikta 130 d; Midrasch Kohcleth 1, 4.!

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