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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-02-01 · Heft 2 (1.2.1906) · p. Seite 30

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 2 (1.2.1906)
Date
1906-02-01
Page
Seite 30 (sequence 8)
Language
German
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WMWWWW I — 30 —. schaftlichen Wahrheiten, aber!er besitzt die Macht, das Wissen zu ergänzen. Wir sprechen! das Schema Israel aus dens Herzen, alle, alle wie mit einem Munde, einstimmig und! einmütig/) und bekennen best Einzig — Ewigen, den Allmächtigen und Heiligen! j Was antworten wir Zeugen Gottes den Moralgläubigen? Wir begreifen, j wie der Widerstreit zwischen Naturgläubigen und Gottgläubigen euch bestimmt hat, von i einer Weltanschauung überhaupt abzusehen, sowohl von einer natürlichen wie von einer J religiösen, damit ihr auf berrj allen gemeinsamen Boden der Moral eine Lebensordnung einrichten könnt. Wir wollen^ nicht daran mäkeln, daß ihr euch der Religion bedeutungs- * voll nähert, wenn ihr euch ajuf das moralische Gefühl, auf das Gewissen beruft — wir erkennen an, daß die menschliche Gemeinschaft ein würdiger Ausgangspunkt ist, um eine , allseitige solidarische Verpflichtung aufzustellen, alle Rassen- und Klassengegensätze auszugleichen und die Wege anzübahnen zum staatlichen Frieden, zum sozialen Frieden und zum Völkerfrieden. Wenn die Religion vom Staate getrennt und dadurch die Gewissensfreiheit erst zur Tatsache würde, dann könnte nicht mehr von einer schwarzen Gefahr die Rede sein; wenn Sonderrechte und Begünstigungen aufhörten und dafür die Gleichberechtigung aller als leitendes Prinzip in Geltung käme, dann verlöre eine rote Gefahr jeden Schrecken; wenn die Völker nur nach ihrerp Kulturwerte bemessen würden, so wäre eine gelbe Gefahr ein Phantym. Das ist alles sehr edel und groß gedacht. Wie aber steht es mit dem religiösen Frieden? Die Gewissensfreihe t kann doch nur den äußeren staatlichen Frieden verbürgen, wir aber suchen auch nach jenem Frieden, der eine innerliche Einigung der Menschheit bedeutet. Den religiösen Frieden unter den Menschen kann nur der Monotheismus herbeiführen. Ihr könnt Vereine gründen und Gesinnungsgenossen zusammenbringen, ihr könnt Rechtsstaaten bilden und Völkerbünde stiften, aber ihr könnt nicht die Menschheit vereinigen. Was euch ohne Gott nie gelingen wird, das hoffen wir mit Gott zu! erreichen. Die Religion nahm bisher noch immer den weitesten Kreis, den wir Menschheit nennen, in Anspruch. §o wenig wir die Naturordnung von Gott, dem Schöpfer,! scheiden können, so wenig können wir die sittliche Weltordnung von Gott, dem Heiligen, ablösen. Ohne Religion sind wir verlassene Naturkinder oder arme Menschenkinder, mit Religion sind wir wohlgebor^ene Gotteskinder! Allerdings denken wir nicht an das, was die Theologen aus der iReligion gemacht haben; wir denken an die von allen Mysterien gereinigte, von alleü Ausschließungen befreite Religion. Über der theologischen Konfession steht uns die mlenschheitliche Religion: ein auf Gottestum begründetes Menschentum, eine durch Got: geeinigte Menschheit! Der Bund mit Gott, das ist Religion! Die vom heiligen Geist erfüllte Seele jubelt Gott zu, dem lebendigen Gott, und bindet sich an Gott, den lebendigen Gott/) l) Schir haschirim rabba ß, 13. 14. 2) Psalm 84, 3.

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