Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1906)
- Date
- 1906-02-01
- Page
- Seite 28 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Die Weisen hatten Recht: „Wenn Israel sinkt, so sinkt es bis in den Staub, und wenn es sich erhebt, erhebt es sich bis zu den Sternen."') Nebukadnezar konnte erstaunt fragen: „Als ihr nych in eurem Lande wohntet, da standen in euren Hauptstädten Samaria und Jerusalem unsere Götter, ihr holtet euch von uns Abbilder, um sie bei euch aufzustellen, und! hier in meinem Lande weigert ihr - euch, meine Götter anzubeten?"') Wir verstehen diesen Umschwung. Das Volk kam gerade in der Fremde zur Selbstbesinnung. Die Nichtigkeit des Heidentums trat ihm da vollends vor Augen, und eine Sinnesänderung konhte nicht ausbleiben. Es warf denn auch alle Unreinheiten von sich und schuf sich ein neyes Herz und einen neuen Geist. Von da an rief es Gott zu: mein Vater! du warst ja der Freund meiner Jugend!3) Es gewann seine Jugend wieder und damit seine kindliche!Reinheit. Und nun war es würdig geworden, in seine Heimat zurückzukehren, um dort ein Reich von Priestern zu bilden, ein heiliges Volk zu werden. Jahrhunderte vergingen, in denen es unablässig daran arbeitete, die Gottesreligion herauszufördern, und als es in vollem Selbstgefühl zu einem Gottesvolk erstarkt war, da war auch die Zeit gekommen, daß es seiner eigentlichen Bestimmung entgegengeführt werden konnte. „Nicht die Völker sonderte ich ab von euch," sprach der Herr, „ich sonderte euch von den Völkern ab,"4) damit ihr vorerst mein Volk werdet, und stehet ihr als solches zum Ruhm sind zur Verherrlichung meines Namens da, dann möge aus den Völkern, wer Gott furchtet, auf die Stimme meines Knechtes hören. Wer im Dunkeln wandelte ohne Licht, 1 der vertraue nun dem Namen des Ewigen und stütze sich auf den Einzigen, der allein helfen kann. Gibt's einen Gott außer mir? also auch keinen Felsen! Ich weiß von keinem! Zum zweiten Mal wurden die nationalen Schranken gesprengt, doch „der Kanal, den die Vorsehung erwählt hatte, um das idealste der Güter, die Wahrheit, zuzuführen", den hatte sie nicht zerbrochen. Das Volk, das früher so hartnäckig am Götzendienste festhielt, dieses Volk erwies sich fortan um so standhafter in der Glaubenstreue und in seinem religiösen Wandet. „Jude bleiben oder sich umbringen lassen!" das ward jetzt die Losung?) Alle Todesarten, die angewandt wurden, um den ewigen Juden aus der Welt zu schaffen, waren vergeblich. Weder die schmeichlerischen Überredungskünste, die man als Liebe ausgab, noch die schauerlichen Strafmittel der gewissenlosen Tyrannei vermochten Israel beizukommen, denn in seiner Mitte blühte der Baum des ewigen Lebens. Die Erhaltung der Kraft, dieses Gesetz im Naturleben, wurde von Israel auch im Geistesleben bestätigt. Seine Lebenskraft kam erst nach der Trennung vom Staate zu vollster Entfaltung.^ Als ein staatliches Volk gehört es der Vergangenheit an, aber als ein Gottesvolk.blieb es bestehen, soll es ewig bestehen und fortwirken als Zeuge Gottes. *) Megilla 16a. -) Wajikra rabba 33. 3) Jerenua 3, 4. 4) Pesikta 46 a; Schir haschirim rabba 5, 16. 5) (Bdfyemotf) rabba 42.