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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-02-01 · Heft 2 (1.2.1906) · p. Seite 27

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 2 (1.2.1906)
Date
1906-02-01
Page
Seite 27 (sequence 5)
Language
German
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27 Volke Jsrjael ist, erhöre, wenn er in diesem Hause betet, und erfülle seine Wünsche, damit alle! Völker der Erde deinen Namen erkennen und dich ehrfürchten." *) Seltsam! Israel fühlte sich verpflichtet, alljährlich siebzig Stiere darzubringen zur Sühn^ der Völker, die ohne Sündenbewußtsein, ohne Sühnebedürfnis ihre Götter zu versöhnen trachteten. ') Nur ein Volk, das zu dem Allvater in ein kindliches Verhältnis getreten war, nur ein Volk, dem sich der Weg Gottes offenbarte, konnte den Abstand erjmeffen, der es durch die Sünde von Gott trennt; nur ein Volk, das in die Tiefen des! Seelenlebens Hinabstieg, war reif geworden für einen Bersöhnungstag, der auf den Menschen selbst versittlichend zurückwirkt. Seih ihr Kinder des Ewigen, eures Gottes, * * 8) so ist eure Seele rein aus Gottes Hand hervhrgegangen! Weder Laster noch Tugenden sind euch angeboren, ihr erkennt durch die Vernunft das Gute und seinen Gegensatz, das Böse, und euer freier Wille ist es, der das eine oder das andere vollbringt. Das ist die Würde und die Selbständigkeit, zu der ihr als Kinder Gottes erhoben seih. Darum könnt ihr auch den Weg zum Vater zurückfinden, wenn eure Schwäche und Torheit es verschuldet hat, daß der Sündenreiz über euch eine Macht erlangte, ßAcht ein Priester gewährt euch Absolution, nicht ein Stellvertreter Gottes schafft eure Sünden fort: zwischen dem Vater und seinen Kindern soll kein Vermittler stehen, „vor! Gott" sollt ihr selbst euch reinigen, und der Vater im Himmel, er allein, will euch.dänn sühnen und wiederherstellen/) In dieser Erhabenheit predigt der Bersöhnungstagj den Monotheismus, und als sollte dieser heiligste Tag Israels zugleich seinen Univ^rsalismus bekunden, lautet seine Botschaft: „Versöhnung werde der ganzen Gemeinde d^r Kinder Israel, aber auch jedem Fremden, der in ihrer Mitte weilt." *) Es njctr ein weiter Weg, den Israel zurückzutegen hatte, bis es sich zur Höhe des Bersöhttungstages erhob. Wohl erweckte es in seiner Kindheit trotz seines widerspenstigen Charakters die schönsten Erwartungen. Rühmte doch selbst ein heidnischer Seher: „Siehe, abgesondert wohnt dieses Volk, zu den Heiden zählt es sich nicht. Der Ewige, sein Gott, ist mit ihm, und Königsjubel ist in seiner Mitte.u*) Was aber das Volk in der Wüste so glücklich verheißen, das hat es später in seinem eigenen Lande nicht erfüllt. Als es stark geworden, da schlug es aus und vergaß den Gott, der es hergestellt.7) Es blieb sogar hinter den Völkern zurück, denn während diese ihre gottlosen Wege damit entschuldigen konnten, daß sie nur das bewahrten, was ihnen ihre Vorfahren überliefert hatten, verleugnete Israel seine Väter und diente Göttern, die es niemals erkannt, und die auch die Väter nicht gekannt hatten.^ Es mußte erst seinem Bodep entrückt werden, um zur Besinnung zu kommen. l) I. Äönige 8, 42—43. -) Sukkah 55b. -) V. Mose 14, 1. *) III. Mose 16, 30; Mischna Jomä (Schluß). •) IV. Mose 15, 26. °) IV. Mose 23, 9. 21. *) V. Mose 32, 15. 8) V. Mose 3^, 16-18.

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