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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-01-01 · Heft 1 (1.1.1906) · p. Seite 23

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 1 (1.1.1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 23 (sequence 25)
Language
German
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23 imstande ist, ihre Wesensart in einem freundlichen und anziehendem Lichte darzustellen. Und weil Franzos ein gerechter Beurteiler des jüdischen Volkstums war, haben seine Kutturbildet aus Halbasien die merkwürdige Fernwirkung auf Freund und Feind ausgeübt. Leu^e, denen das Verständnis jüdischen Wesens fehlte, die sich im allgemeinen eher ablehnend als entgegenkommend zum jüdischen Volkscharakter stellten, haben Geschmack und Freude an den Dichtungen und Schilderungen Franzos' gefunden. Der Vortragende exemplifizierte auf Johannes Scherr, den er einen Antisemiten vor der Erfindung des Antisemitismus nannte, und der nach der Bekanntschaft mit Franzos' erster Kulturnovelle dem Dichter Bewunderung gezollt hat. Nicht glatt war der Anfang der Schriftstellerlaufbahn des jungen Juristen; das erste Manuskript kam von einem Dutzend Redaktionen, zuletzt beschmutzt, zurück, bis es in die Hände des feinsinnigen Verlegers. Westermanu in Braunfch.yeig gelangte, der in seinem Leben mit Juden so gut wie noch nicht in Berührung gekommen war und der den dichterischen Wert des neuentdeckten Darstellungsgebietes für seine „Monatshefte" sofort herausfühlte. Franzos' Verdienst in der deutschen Literatur ist diese Entdeckung einer neuen Provinz, eines neuen Stoffgebietes, Galizien, Podolien und Südrußland. Er war in jungen Jahren, da er manche Zurücksetzung als Jude erfuhr, der Ansicht, daß eine kräftigere Germanisierungspolitik den j dortigen Ländern zum Segen geworden wäre.. Aber auch wie die Dinge nun einmal! liegen, hat er die feste Ueberzeugung gehabt, daß die jüdischen Glaubensgenossen dort, wenn auch erst nach Ablauf von Generationen, eine höhere Kulturstufe erringen werden. Der Vortragende ist der Ansicht, daß das Wort: Jedes Land habe die Juden, die es verdiene, heute schon auf Rußland nicht mehr paffe, da die dortigen Juden für die miserablen Zustände zu gut sind. Dr. Karpeles teilte sodann von dem Roman aus Halbasien: „Der Pojaz", einiges mit; da der Antisemitismus inzwischen sich ausgebteitet hatte, ließ Franzos diese Arbeit vor zwölf Jahren ungedruckt liegen. Schließlich Erfreute der Vortragende die Zuhörer durch mehrere Proben von dem köstlichen Humor und dem Witz, die Franzos in reichem Maße zu Gebot standen. — Der Professor cjn der evangelisch-theologischen Fakultät in Wien, Herr Dr. E. Sellin, hat der Wienerj Akademie der Wissenschaften jüngst eine umfangreiche Studie über das Gesamtergebniis seiner Forschungsgrabungen in Palästina überreicht, welche er mit Subvention der Wiener Akademie und des Unterrichtsministeriums zur Ausführung bringen konnte. Die Funde, die bei der Burg des kanaanitischen Fürsten Gschtarwgschur gemacht wurden, bringen eine Geschichte der Keramik in Palästina zur Beranschaulichmig. Auch für hie Kulturutid Religionsgeschichte sind wertvolle Beiträge hinzugekommen, und zwar hurch die Aufdeckung eines spätkanaanitischen Hauses, das allen Ausräubungen entgangen war. Hier lagen neben Geräten des täglichen Lebens die Leichen eitler Mutter mit ihren fünf Kindern und der Schmuck, der zum größten Teil aus Gold bestand und komplett erhalten ist. Es ist der erste, der bis jetzt in Palästina gefunden wurde. Für die Religionsgeschichte von Wichtigkeit ist der Fund einer bronzenen weib- 4 i

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