Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2969669-2970002-2970004--7850-2978544- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
lichen Götterfigur, die bis jetzt einzigartig dasteht. Ferner ist durch die letzten Aufdeckungen die Wahrscheinlichkeit nähergerückt, daß die ganze Burg eigentlich ein Heiligtum war, die ein fürstliches Archiv irf sich birgt. Zum Schlüsse sind noch drei gut erhaltene Tontafeln und kleine Fragmente von fünf anderen zutage gefördert worden, teils Briefe, teils Namenlisten. — Es war ein Akt der Pietät und des Gedenkens an Kaiserin Elisabeth, den die „Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums" in Wien durch den Mund ihres allverehrten Vizepräsidenten Adolf Ritter v. Sonnenthal im November beging, indem der Meister einige Werke des Lieblingsdichters der erhabenen Monarchin zur Borlesung brachte, und wahrlich, Heinrich Heine, dem dieser so glänzenden Verlauf gehabte Abend geweiht war, konnte wohl auf dem ganzen Erdenrunde keinen vornehmeren Interpreten finden, als es Herr v. Sonnenthal ist. Den Beginn machte die so sinnige Dichtung „Jehuda ben Halevy"; wir sahen vor unserem geistigen Auge die Gestalt dieses großen Gelehrten, jeder Zug, jede einzelne Phase auf dessen Lebenspfaden wurde uns vergegenwärtigt, Die traurige Lage Belsazars wurde gleichfalls in erhebender Weise vorgeführt, aber namentlich war es die „Prinzeß Sabbath", ein Werk, das uns so echt und unverfälscht die Sabbatruhe vorführt, die wir aber bei dem Vortrage geradezu ^verspürten und die jedenfalls infolge der Schilderung des Ruhetages ebensowohl auf Gemütsstimmung, mehr aber noch auf die Lachmuskeln von größtmöglichster Wirkung war. In „Donna Clara", dem spanischen, so antisemitisch angehauchten Märchen, begab sich Meister Sonnenthal auf pyrenäischen Boden; man kennt ja das Werk, und wie erblickten wir geradezu vor uns die Spanierin verdutzt dastehen, als sich ihr Ritter als — Judenstämmling und Sohn des Rabbi entpuppt. Die heitere Fabel „Pferd und Esel" sollte den Schluß bilden, allein Herr v. Sonnenthal, der dem Auditorium programmgemäß nur kurze Zeit zur Verfügung stehen sollte, wollte demselben einen längeren Genuß bereiten, gab noch die „Grenadiere" und „Hallelujah" unter besonderer Zustimmung der Hörer zu; in dem ersterwähnten Gedichte sahen wir die Soldaten, sowie den gefallenen Kaiser vor uns, wir hören die Klagen, aber auch die Freude, den Monarchen über das Grab der beiden treuen Diener reiten zu lassen und in „Hallelujah" vernahmen wir die Stimmen der Lobpreiser des Allmächtigen in ernsten, zum Himmel dringenden Akkorden. — Herr Sanitätsrat Dr. Neumann in Berlin hat seine große, zirka 1000 Bände umfassende Bibliothek der jüdischen Gemeinde als Geschenk überwiesen. Dieselbe enthält eine große Zahl Hebraica und Judaica. Inhalt: Der Don Quijote der Weltgeschichte. — Friedensstimmen. — War König Saul geisteskrank? — Trauerrede für die russischen Juden. — Monatsschau. Verantwortlicher Rehakteur und Herausgeber vr. Adolf Brüll; Drück von H. L. Brönner's Drückerei (F W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.