Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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21 bei jüdischen Gemeinden wie bei israelitischen Waisenhaus in Pad Bestehen feiern wird, sind aus Hoffentlich findet dieses Beispiel großartigen Edelsinns ebenso wie die Schenkung von zehntausend Mark zu dem gleichen Zwecke seitens der Synagogengemeinde Breslau bald Einzelpersonen reichliche Nachahmung. — Dem )erborn, welches demnächst sein 50 jähriges diesem Anlaß von Frau Leopold Sonnemann in Frankfurt a. M. 10000 M. gestiftet worden. — Ein Gedenktafel für Lessing und Moses Mendelssohn soll nach Beschluß des Magistrats am Hause Spandauerstraße 46 in Berlin angebracht werden. — Du Freimaurerloge „Friedrich Wilhelm zur Gerechtigkeit" in Ratibor übersandte dem dortigen Vorsitzenden des Hilfskomitees zur Unterstützung dyr russischen Juden, Herrn Rabbiner Dr. Dienemann daselbst einen Betrag, begleitet vdn folgendem Schreiben: „Die in jüngster Zeit von Verblendeten und Betörten an den in Rußland lebenden Juden verübten entsetzlichen, jeder Menschlichkeit Hohn sprechenden Gewalttätigkeiten und Mordtaten müssen jeden gesitteten Menschen mit Abscheu und Entrüstung erfüllen. Unbeschreibliches Elend ist durch diese Greuel unter Ihren Glaubensgenossen verursacht worden, und wir teilen aus vollem Herzen Ihre Betrübnis. Dem vornehmsten Gebote der Freimauerei folgend, dem Nächsten ohne Unterschied des Glaubens zu helfen und beizustehen, will auch die hiesige Freimaurerloge ein Scherflein zur Linderung des Jammers beisteuern und bittet Sie den beifolgenden Betrag annehmen zu! wollen." — Herr Dr. Moriz Jutrosins-ki, der Direktor des Reichenheim'schen Waisenhauses, der anläßlich seines 80. Geburtstages zum Professor ernannt worden ist, wurde 1625 zu Sandberg in der Provinz Posen geboren. Er besuchte das Gymnasium in Lissa unv studierte dann in Breslau Philosophie und Geschichte. Als Mitglied der Burschenschaft der Raczeks nahm Jutrosinski an der Bewegung von 1848 teil, die auch die Studentenschaft mächtig ergriff. Namens der Breslauer Studentenschaft und insbesondere seiner Burschenschaft ging Jutrosinski zum allgemeinen deutschen Studentenkongreß nach Eisenach. Neben Karl Schurz, Oskar Falke, Fr. Rechenberg u. a. gehörte Jutrosinski zu den Wortführern auf dem deutschen Studentenparlament. Nach dem Abgapge von der Universität war Jutrosinski mehrere Jahre im Auslande als Lehrer tätig. 1859 legte er die Prüfung für das höhere Lehramt ab. Er erhielt darauf cirJe Hilfslehrerstette an der städtischen Realschule in Posen. 1862 wurde er dort als ordentlicher Lehrer angestellt. Aber zunächst nur auf Jahre, ohne daß die staatliche Unterrichtsbehörde die Anstellung genehmigte. Der Grund dafür war, daß das preußische Unterrichtsministerium grundsätzliche Bedenken hatte, einen Juden als ordentlichen Gymnasiallehrer zu bestätigen. Aber Jutrosinski und die Posener städtischen Behörden sagten sich, wir können warten. Was dem Ministerium als besonderen Vorwand dierfte, das war die Angabe: Jutrosinski sei Historiker und vollends der Geschichtsunterricht an einer preußischen Schule könne einem Juden nicht übertragen werden. Jutrosinsk^ und seine Schulverwaltung waren boshaft genug, dieser Begründung den Boden zu entziehen. Jutrosinski war in den neueren Sprachen schon heimisch. Die