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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-01-01 · Heft 1 (1.1.1906) · p. Seite 15

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 1 (1.1.1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 15 (sequence 17)
Language
German
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15 die Partei Sauls zu ergreifen. Ähnlich können ja, namentlich Frauen, es auch Abraham durchaus nicht verzeihen, daß er Hagar nebst Jsmael verstoßen hat. Das Verbrechen gegen Urias wiegt nach Manchen alle Tugenden David's vicht blos auf, sondern würdigt ihn für immer herab. Abgesehen davon, daß bei näherer Beleuchturig die Tat doch auch aus einem anderen Gesichtspunkte zu betrachten wäre, als dem gewöhnlich Angenommenen. — Uriäs hatte selbstverständlich nach feststehendem Brauche seiner Frau vor dem Fortgänge zum Kriege einen Scheidebrief gegeben und konnte wegen des direkten Zuw!iderhandelns gegen den Befehl des Königs bei seinem Besuche am Hofe: Nach Hause zu gehen, mit dem Tode bestraft werden, — so steht und fällt doch die Beurteilung in beiden Fällen mit der allgemeinen Auffaffung über den direkten Einfluß der Gottheit auf die Nachkommen des auserwählten Volkes. Selbst diejenigen, welche annehmen, daß es sich bei den Erzvätern, bei den Wundern, insbesondere bei dem Auszuge aus Egypten, bei den Weissagungen der Propheten, sei es uw Sagen, sei es um höhere Taschenspielerei, handelt, sind doch wohl sämtlich darüber einig, daß eine solche Person, wie sie in Abraham in der Bibel geschildert ist, die höchste Verehrung verdient. Wie diese damit zusammen zu reimen ist, daß er, angeblich auf göttlichen Befehl, seinen einzigen Sohn schlachten wollte, ist unverständlich. Die unabweisliche Folgerung Afler, welche eine Inspiration, ein Prophetentum, ein göttliches Wunder leugnen, aus hem Verhalten Abrahams in Moriah ziehen müffen, ist doch die: Abraham hatte Gehörstäuschungen und wollte infolgedessen seinen Sohn opfern, wurde aber durch irgend einen Zufall davon abgehalten. Eigentlich hätte er aber als ein höchst gemeingefährlicher Geisteskranke zeitlebens eingesperrt werden müffen. Ähnliche Folgerungen können die erwähnten Gegner des göttlichen Ursprungs der mosaischen Überlieferung bezüglich aud^ der übrigen Jdealgestalten der alten canonischen Schriften ziehen; und dies umsomehr, als eine ganze Reihe von Angriffen auf die mosaische Lehre lediglich auf falsche Übersetzung des hebräischen Textes zurückzuführen ist, die wiederum vielfach in der verlorengegangenen Kenntnis der Bedeutung vieler hebräischer Worte ihren Grund hat. 1 Für die.Auffassung der Geistesstörung im altbiblischen Sinne als Beispiel für das in der zitierten Schrift des Verfassers Gesagte ist die Schilderung Sauls ungemein bezeichnend. Schon die Römer nannten! den Zorn einen kurzen Wahnsinn. Ein Unterschied zwischeh einem unausrottbaren Irrtum, einer Extase, einer über die Norm hinaus- Verzweiflung, wird nicht gemacht. Wer den cht blos ein Verbrecher, sondern gleichzeitig ein wie Geisteskrankheit beruhen lediglich auf Veränderungen des geistigen Prinzips im Menschen. Bestraft konnte nur werden, .wer sich mit Bewußtsein gegen die mosaischen, die von Gott gegebenen Gesetze vergangen hatte; also nicht, wejr z. B. in der Fieberhitze )as Gesetz brach, überhaupt derjenige nicht, der wegen irgend girier körperlichen Krankheit, u. A. des Gehirns, die Herrschaft über seinen gehenden Leidenschaftlichkeit, Depression, göttlichen Gesetzen entgegenhandelt, ist ni geistig verkehrter Mensch. Verbrechen

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