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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-01-01 · Heft 1 (1.1.1906) · p. Seite 14

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 1 (1.1.1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 14 (sequence 16)
Language
German
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14 Prüft man die einzelnen Momente, welche für eine Geistesstörung bei Saul angeführt werden, so ist es: 1. Die melancholische Stimmung, die durch das Saitenspiel Davids beseitigt oder gelindert wurde. 2. Das zeitweise.Hrrumtoben im Hause, welches übrigens mit demselben Worte, wie Weissagen (Nabt) awlgedrückt wird. 3. Saul fragt nach Überwindung Goliath's durch David, dessen Spiel schon so oft sein gestörtes Gemüt deruhigt, und den er sich deshalb von dem Vater ausgebeten hatte, erst Abner und dann David selbst: wessen Sohn dieser sei? Man könnte diese Frage als die eines in seinem Gram und Unmut Vertieften, für die Außenwelt vorübergehend Leilnamslosen an'ehen. Da indes die Vorgänge bei der Zuziehung Davids als Saitenspieler zu dürftig berichtet sind, also sehr möglicherweise Saul vorher wirklich Näheres über Davids Hel kunft nicht wußte, so wird dieser Punkt hier übergangen. Daß diese beiden Momente nicht hinreichen und auch während seiner ganzen Regierungszeit nicht hingereicht haben, Saul für geisteskrank zu erklären, bedarf keines Beweises. Die Motive zu seiner Schwermut waren, die Angst vor David, in dem er, sei es instinktiv sei es wissentlich, denjenigen sah, der bestimmt war, an seiner Stelle zu herrschen; das unheimliche Gefühl, das seine noch so fein angelegten Pläne zur Vernichtung des Nebenbuhlers nicht blos erfolglos waren, sondern mit seiner eigenen Demütigung endeten; daß sein eigener Sohn, im direktest Gegensatz zu ihm, der innigste Freund des von ihm Gehaßten wurde, seine Tochter ihn-liebte. Daß der' Zorn über die fortwährende Vereitlung seiner - unermüdlichen Bemühungen zeitweise hell aufloderte, ihn dazu trieb, seinen Wurfspieß nach dem eigenen Sobne vn werfen, die Priester zu Nob töten zu lassen; daß Verzweiflung und Ratlosigkeit bei dem Heranrücken der gewaltigsten Macht, die die Philister bisher ins Feld geführt hatten, ihn schließlich dahin brachten, im vollen Gegensatz zu seiner ganzen Vergangenheit die heidnische Totenbeschwörerin aufzusuchen und ihr sogar zuzuschwören, sie nicht zu töten; das alles ist erklärlich und liegt innerhalb der Breite der normalen Seel mtätigkeit. Eine gewaltige Persönlichkeit, ein großer Kriegsheld, ein ursprünglich echt fromm angelegtes Gemüt, hat er auch königlich geendet: Lieber durchs eigene Schwert fallen, als von den Vernichtung Verdienenden, wenn auch diesmal siegreichen. Ungläubige entweiht zu werden. Nicht wie von Wallenstein: „Bon her Parteien Haß und Gunst entstellt, Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte," aber sicher zeigt sich bei ihm: „Viojtrix causa diis placuit sed victa Gatoni.“ Von jeher hat Mitl!eid, Sympathie, Achtung vor der auch in kleinen Zügen, wie die altenWeisen hervorhehen, sich zeigenden sonstigen Frömmigkeit Sauls, und andererseits Mißfallen an verschiedenen Handlungsweisen Davids selbst große Geister verführt (z. B. Voltaire, in neuerer Zeit den in Petersburg verstorbenen genialen Mandelstamm),

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