Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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13 den Hohepriester, ohne Vorstellungen Anderer, die ihn von der schranken losen Ausübung, seiner Gewalt zurückhalten wollen, zu berücksichtigen. Die Störungen des Geisteslebens bei Saul werden von der Schrift der Wirkung eines bösen Ruach zugeschrieben. Mit dem Ausdruck Ruach zeigt die gltbiblische Psychologie, daß sie das Bewegende im Innen des Menschen von etwas abhängig macht, was in dem Wehen des Windes (Ruach) in der Natur eine Analogie findet. Ausführlich hat Bf. darüber in feinix Abhandlung: „Geistesstörung und Verbrechen in altbiblischer Auffassung", Verl. v. Marhold, Halle a. S. 1905, gehandelt. Nach der Ankündigung Samuels, daß er zum Messias, zum Gesalbten des Herrn erwählt sei, kommt ein anderer Ruach über Zuul. Schon auf dem Heimwege ergreift ihn bei der Berührung mit Prophetenschülern die zur Zeit bei diesen vorhandene Begeisterung, ebenso später in Ramah. Bei der Nrchricht von dem Schimpf, den Ammon den Bewohnern von Jabes zumutete, kommt der K. (Gottes Geist) über ihn. Ein anderer böser R., von Gott, bemächtigt sich indes sei:'er von der Zeit seiner Verwerfung ab. Unfraglich faßt die Schrift ein solches Übermächtigwerden des R. in Jemandem als ein ebenso zeitweiliges auf, wie das Wehen des Windes in der Natur. Nur die Auserwählten sind fähig, spontan von dem göttlichen (Gott wohlgefälligem) R. getrieben zu werden, wenn auch das Jeden auf geistigem Gebiete Bewegende int Allgemeinen dem R. zuzuschxeiben ist, der aber auch bei Jedem, selbst auch gegen den eigenen Willen, von Gott gelenkt werden kann. So regt der^ Ewige den Geist seines Knechtes öyrus an, so zwingt er Bileam, statt des Fluches eirftn Segen auszusprechen. So lautet der Bund mit Israel dahin (Jes. 44, 1—3): „Ich werde meinen R. ausgießen auf Deinen Samen." Die Erwählung der direkten Nachkommen Jakobs begriff in fich, daß zunächst nur sie allein die Fähigkeit erhalten sollten, von dem göttlichen R. ergriffen zu werden, worauf dann in fernerer Zukunft, nach der Anerkennung der Lehre Moses' durch alle Völker, auch diesen eine solche Auszeichnung zuteil werden sollte. Dep Ausdruck „prophezeien" (Nabi) wird in der Schrift auch für Irresein gebraucht.! So antwortete Jehu auf die Frage der Feldherren; Was hat Dir der Nabi gesagt? „Ihr kennt ja den Verrückten und sein Wesen." Nach dieser Abschweifung zu den Anfällen von Saul zurückkehrend, ist also ersichtlich,!daß dieser zeitweise einer feindlichen Einwirkung des R. unterlag. Sein im Grunde echt gutes Herz, sein hoher Gerechtigkeitssinn,, seine offenbar fesselnde Liebenswürdigkeit, sein reiches und tiefes Gemüt zeigt sich ja weiterhin, wenn er, allerdings nur zeitweise, tiefe Reue gegenüber David zeigt, dessen künftiges Königtum anerkennt; wenn er sich bei seiner Umgebung bitter über seine Berlaffenheit, über sein hartes Los beklagt. Ungeachtet der allseitig anerkannten Verdienste Davids und der auf ihn gesetzten Hoffnunger^ und trotz des schreienden Unrechtes, das Saul diesem zufügt, hielt doch das Volk i. A. j zu Saul und nicht zu David bezw. zu dem früheren Lenker des Reiches, dem Propheten.