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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-01-01 · Heft 1 (1.1.1906) · p. Seite 9

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 1 (1.1.1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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9 erschrecken auf die Szene treten, so können es nur Don Quijotetypen sein. Wer kann wissen, ob Cervantes beim Abfassen seines Werkes nicht auch an diese, ebenso wie an viele ändere lebende Muster seines Helden, gedacht hat, zumal er ja solche historischen Quijotadas, wie die vorhin geschilderten, oft genug in seinem Vaterlande mitangesehen haben j mag? ffkdeitsftiamen. Es hat etwas Wohltuendes in einer Zeit, in der die Gegensätze der Konfessionen schärfer denn je betont werden, auch aus versöhnende Stimmen Hinweisen zu können, die Zeugnis davon ablegen, daß der Geist der Liebe, der den Grundzug der Religion bilden! soll noch immer lebendig ist und daß auch für die Zukunft noch immer führende Geister auf eine Versöhnung mit aller Kraft ihres Geistes Hinweisen und in diesem Streben trotz der Ungunst der Zeiten nicht erlahmen, das Trennende aufzuhehen und das Verbindende in den Religionen in den Vordergrund zu stellen, was allein geeignet ist, die Menschen zu beglücken nnd Haß und Zwiespalt aus ihrer Seele zu bannen. 'Der Bischof von Speyer, Herr Dr. Busch, empfing jüngst die als Vertreter der pfälzischen Bezirksrabbiner zur Beglückwünschung anläßlich seines Amtsantrittes erschienenen Rabbiner Dr. Landsberg-Kaiserslautern und Dr. Meyer-Zweibrücken, wobei ersterex folgende Ansprache hielt: Hochwürdigster Herr Bischof, gnädiger Herr gestatten, daß ich Ihnen im Namen der israelitischen Gemeinden der Pfalz und im Namen der pfälzischen Rabbiner hiermit ein aufrichtiges und herzliches Willkommen zurufe, nachdem Oie, hochwürdigster Herr Bischof, Ihr hohes nnd heiliges Amt ^bereits seit vielen Wocheü angetreten haben. Nicht blos Ihre Glaubensgenossen, sondern auch alle, denen das Wort Religion kein leerer Schall ist, bringen Ihnen has vollste Vertrauen und die tiefste! Ehrerbietung entgegen. Haben Sie sich ja bereits in der kurzen Zeit Ihrer hohen! Wirksamkeit als tolerantes humaner und edler Kirchenfürst gezeigt. Auch wir, die religiösen Vertreter und Leiter der israelitischen Gemeinden der Pfalz, geloben hiermit feierlichst, den Frieden und die Eintracht mit' den andersgläubigen Mitbürgern zu predigen und zu lehren, und bringen damit zum Ausdruck eine der erhabensten Lehren des Judentums. Wir erkennen ge^rn das Christentum als eine Religionsmacht an, welche in ihrer Weise, gleich der Lehre des Judentums, die Menschen zvr Höhe der Moral und Äesittung zu führen vermag und wohl geeignet ist, zu veranlagen, daß nichö blos als Idee anerkannt, sondern auch praktisch bewährt werde das herrliche Wort des Propheten Meleachi: „Haben wir nicht alle einen Vater? Hat uns nicht alle ein Gott geschaffen? Warum wollen wir treulos handeln einer gegen den anderen?" So möge

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