Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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wenigstens der Zeit nach. Nichj so für die Juden. Denn diese haben seit den ersten Religionsverfolgungen unter Anstochus Epiphanes bis zu den letzten russischen Greueln eine fast ununterbrochene Reihe von Leiden durchgemacht, vor deren Größe Einem schwindelig wird.! Macht man sich ferner von den landläufigen Vorurteilen frei und hält sich an den unerschütterlichen historischen Wahrheiten, sowohl in Betreff der moralischen Eigenschaften der Juden, als auch in Betreff des wahren Wertes des Judentums für die gesamte Kulturwelt, dann gewinnt dieser einzigartige weltgeschichtliche Vorgang eine wirklich tragische Größe. Andererseits hat er aber auch unleugbar einen stark quijotes- ^1^61x1 Zug, da wir nicht umhin können, zuzugeben, daß die Verwirklichung des jüdischen messianischen Ideals in seinem vollen Umfange ins Reich der Phantasie gehört^ folglich kämpften seine Anhänger zwar heldenmütig einst, unter den makabäischen Priest^rfiirsten, aktiv später, unter dem Zeichen des Kreuzes, passiv heldenmütig aber schließsich doch nur gegen Windmühlen. Sancho Panza wird Recht behalten. Hätten sie den aussichtslosen Kampf nur bei Zeiten aufgegeben und wären sie so wie die anderen geworden, wie wohl wäre ihnen jetzt! Unüberzeugbar, wie der Don Quijote der Dichtung mit seinem eudererar eutuvrtos. sind sie jedoch mit ihrer Thora durch die Jahrtausende gezogen, unsägliches Elend erduldend. Und was enthält diese Thora? Nichts weiter als die Lehre vom reinen, nicht durch lügnerische Phrasen gefälschten Monotheismus und die Forderungen des höchsten Zittengesetzes: Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst, übe Gerechtigkeit und Liebe (mischpat uz'daka), ehre deine Eltern, schütze den Schwachen, sei mäßig und keusch (k'doschim tihju) und was ^dergleichen mehr ist. Macht man aber mit diesen Forderungen Ernst, so kann daraus bei dem augenblicklichen Stande der Kultur nur Eins folgen: der naive Gemütsmensch wird im brutalen struppls for life vom physisch und geistig Stärkeren unbarmherzig zertreten, und winn er noch so viel Sittengesetze anruft. Warum das so ist und, so lange Naturgesetze Naturgesetze sind, auch so bleiben muß, darüber kann man nicht Essays, darüber, kann man dicke Bücher schreiben. Selbstverständlich können dann auch gegen derartige Bücher andere, womöglich noch dickere, geschrieben werden, die wiederum das Gegenteil beweisen werden. Das soll alles von vornherein zugegeben bleiben. Aber wir brauchen hier zur Unterstützung unserer These keine langatmigen Auseinandersetzungen in dicken Büchern, sie kann durch Tatsachen bewiesen werden, die weder geleugnet noch ins Gegenteil umdisputiert werden können. Bon solchen nur zwei Beispiele. Es wird von authentischen Geschichtsschreibern berichtet, daß einst eine Anzahl armer jüdischen Opfer der spanischen Inquisition, nachdem sie Jahre lang -in den Kerkern dieses „Heiligen Amtes" geschmachtet, wo man sie bei lebendigem Leibe buchstäblich! verfaulen ließ, ihre Peiniger, die franziskanischen Mönche, himmelhoch baten, sie möchten sie doch durch einen schnellen Tod von ihren Qualen befreien, dabei beriefen