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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-01-01 · Heft 1 (1.1.1906) · p. Seite 6

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 1 (1.1.1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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6 Bon diesem Moment an begann aber auch das quijoteskische Dasein dieses Volkes und^das^dauertff— horribilej dictu! — 511111 Teil bis auf den heutigen Tag. Denn es hc;ydelt sich bei der jüdischen! Religion, genau wie bei der echten Quijotada, um die Umsetzung an sich hoher urch anerkennenswerter Ideale ins Praktische malere tont, ohne Rücksicht auf die Gefahren, Hindernisse, Hohn und Spott. Entkleidet man. nämlich die Abenteuer des Edelmannes üon der Mancha ihres mit Absicht karrikierten Charakters, so bleibt doch sein wirklich schönes Streben, in allen seinen Handlungen das Prinzip des enderezar entuertos zur Geltung zu bringen. Entkleiden wir ebenso einen unglücklichen, geknechteten und verachteten russischen Juden aller seiner Lächerlichkeiten, dann bleibt aber auch nür — so sonderbar düs auch manchem klingen mag — ein durchaus sympathischer Mensch vor usis, der seiner Religion gemäß — vorausgesetzt, daß er wirklich nach ihr lebt — nichts wie das Gute und Wahre zu wollen vermeint. Denn was will ^eigentlich das Judentum als Religion, wenn man von seinem zeremoniellen und historisch-nationalen Faktoren absieht, doch nur, daß der Mensch mit den Forderungen der Moral und Sittenreinhert'wirklich Ernst macht und nicht bloß mit eynischer Unverschämtheit seinem Gotte und sich selbst was vorheuchelt? Nun wird man mir sicher übereilterweise einwerfen: dasselbe gilt doch, mutatis mutandis, auch fürs Christen- und Muhamedanertsim. Freilich äilt es auch vyn diesen Religionenwie sollte es auch nicht, da sie doch auf dem Judentum aufgebaut, sind? Für unsern Gesichtspunkt gibt es überfeinen wesentlichen, sejr wesentliches Unterschied zwischen diesem und dem Judentum. Wir sprechen hier, wie der aufmerksame Leser es ja wohl nicht aus den Augen verloren haben wird, von denjenigen Punkten, durch die das Judentum und seine Bekenner nach der Art ihres Auftretens in^ der Weltgeschichte mit dem Helden des Cervantes'schen Romans Ähnlichkeit zeigen urtd dazu gehört vor allen Dingen Eins: das Leiden. Bon diesem Requisit hat aber, wie männiglich bekannt, der Jude, der historische Don Quijote, ein vollgerütteltes Maß bekommen. Daran wird wohl niemand zweifeln wollen. Wenn hierzu noch etwas ergänzt werden muß, so sind es die näheren Umstände, welche dieses Leiden zu einem quijoteskischep machen und das wird jedem, der die zweitausendjährige jüdische Leidensgeschichte auch! nur oberflächlich kennt, nicht schwer werden. Die einfachste Überlegung sagt uns sind zahllose Beispiele einzelner, ja tausender Individuen jüdischen Bekenntnisses haben es deutlich bewiesen, daß ein Jude nur dieses aufzugeben braucht," um in jeder Beziehsing allen anderen Menschen, und den besten unter ihnen, gleichgestellt zu werden. Dennoch hat es die Masse des jüdischen Volkes vorgezogen, freiwillig, ohne jede Not, einf schweres, ein entsetzliches Loos auf sich zu laden, bittere Verfolgung, Verachtung, Schimpf und Schande bis zur Grenze des Menschenmöglichen zu ertragen, bloß um seinsin Idealen treu zu bleiben und keine Heuchler und Kompromißler zu werden. Zo haben‘ auch, was zugegeben werden soll, die ersten Christen für ihre Ideale glitten, aber das hat Alles doch eine Grenze gehabt,

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