Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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5 Don Qyijote unzertrennlich die Begriffe des Tölpelhaften und Lächerlichen, aber doch auch des'Tapfern und Gutmütigen, wir denken an einen Narren, der sich um Dinge kümmert, die ihn nichts angehen und für dieselben sein Leben aufs Spiel setzt, aber im Grunde genommen nicht von schlechten Motiven, sondern im Gegenteil von sehr lobens- -werten geleitet wird. Das ist .der Typus, den Cervantes geschaffen: wer hätte das eine oder das andere diesem stch nähernde Original nicht schon öfter im Leben angetroffen? Zu allen Zeiten hat das Menschengeschlecht solche Exemplare erzeugt und wir müssen zugeben, daß fie wenn sie auch albern scheinen, oder vielleicht doch, welche den Glauben an die Erhebung des vielleicht nur instinktiv und unbewußt, Tragisch ist es allerdings, daß solche uns nicht zur Schande gereichen wirklich! sind. Denn sie sind es Menschejn auf eine höhere Stufe ter Gesittung, aber doch jedenfalls unerschütterlich Hochhalten. Menschen, wie man das häufig genug wirklich beobachten kann, an eben diesem Glauben elend zu Grunde gehen. Für bieje Tatsache bieten Vergangenheit und Gegenwart im Leben des Individuums und der Völker zahlreiche Beispiele, doch soll hier nur eins, da sich null einmal die Gelegenheit d's Don Quijotejubiläums bietet, besonders hervorgehoben werden. Meines Wissens sat bis jetzt noch niemand darauf hingewiesen, aber wenn man erst auf diese Ideenaff-ziation kommt, kann man die Vorstellung gar nicht zurückdrüngen, daß das jüdische Volk eigentlich den Don Quijote der Weltgeschichte darge^tellt hat und bis jetzt noch darstellt. Hetzen wir uns zum Zwecke dieser Betrachtung die Geschichte dieses Volkes, so weit sie als tatsächlich bekannt, in großen Zügen an. Eigene und fremde, selbst feindliche Geschichtsschreiber stimmen darin überein, daß die Juden ursprünglich ein tapferer, intelligenter und vornehmer Menschenschlag gewesen sind, ein an schwere Arbeit gewöhntes, biederes Bauernvotk, dessen Freundschaft selbst Römer und Spartaner nicht gering geachtet haben.' Mitten in |ehte Welt von Gemeinheit und Sittenlosigkeit hineingeschteudert, lebten sie wahrscheinlich zuerst schlecht und recht, wie die sie umgebenden Nachbarn, bis es einem bevorzugten Geschlechte (den Leviten), dem das sinnliche und wüste Treiben zum Ekel wurde, gjelang, den besseren Elementen des Volkes vermittels des Jehovakuttus eine höhere Lebensauffassung beizubringen. Zum Gemeingut der Nation jkonnten sie jedoch diesen Kult, trotz der Unterstützung von Seiten der Propheten, und vieler Könige, nicht eher machen, als bis die große nationale Katastrophe der babylonischen Gefangenschaft das Volk mit allen Bitternissen des Daseins und mit der Herzlosigkeit ihrer Besieger bekannt gemacht hatte. Dann erst begannen die diesem Volke offenbar von der Natur anvertrauten Keime eines höheren menschenwürdigen Lebensideals allgemein zu reifen und die in ihr Vaterland zurückgekehrten Enkel und Urenkel der Exilierten machten es sich fortan zur nationalen Aufgabe, die Fahne des einig einzigen Gottes und seiner erhabenen Sittenlehre, einer ganzen Welt von Finsternis zum Trotz, hoch und heilig zu halteu.