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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1906-01-01 · Heft 1 (1.1.1906) · p. Seite 3

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
26 (1906)
Issue
Heft 1 (1.1.1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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ihm seine besten Absichten nicht noch 3 - in ihr exaktes Gegenteil umgedeutet werden. Daß diese Auffassung nicht etwa der Ausfluß einer trüben, pessimistischen Lebensanschauung ist, sondern — leider! — der grausamere Wirklichkeit tatsächlich entspricht, wird aus dem geschichtlichen Beispiel, welches der eigentliche Gegenstand dieses Aufsatzes ist und zu dem wit 'Üald übergehen werden, jedem mit Leichtigkeit zu beweisen sein. Vorher muß erst noch für denjenigen Leser, dem der Don Quijote nicht mehr so lebhaft im Gedächtnis fern die eben-gegebene Deutung der Cervantes'schen ist, das Nqhere erklärt werden, in wie Idee ihre Berechtigung hat. So viel wird jedem wohl noch erinnerlich sein, daß der geiswolle Junker Harnisch (el ingeriioso hidalgo Don Quijote), nrchdem er sich den Kopf mit Rittergeschichten vollgepfropft, auf einmal den edlen Entschluß faßte, nach Art der fahrenden Ritter (caballeros audantes) die Beschützung der Unschuld und die Bestrafung des Übeltäters zu seiner Lebensaufgabe, überhaupt ab es Unrecht wieder gut zu machen (enderezar entuertos, wie sein klassischer Ausdruck lautet). Diesem hohen Ziele geht er fortan in seiner Weise mit Mut pnd Eifer, allen Gefahren und Beschwernissen spottend, konsequent und unerschrocken nach, trotzdem es zu seinem Untergang führt. Dabei erleben wir Episoden von unsterblicher Lächerlichkeit und unwiderstehlicher Tragikomik, wie sie ja jedermann bekannt sind. Man könnte nun bei oberflächlicher Beurteilung meinen, Cervantes habe gerade die Persiflage des blinden Idealismus schreiben wollen, wie er sich in seinem von edlen. Motiven getragenen, ab;r seines gesunden Menschenverstandes beraubten Helden offenbart. Das ist indeß durchaus nicht der Fall, oder — um mit Nordau zu reden — wenn Cervantes das wirklich gewollt haben sollte, so ist aber doch gegen seine Absicht etwas ganz anderes daraus geworden. Bei rechtem Lichte betrachtet, erscheint nämlich jedem gemütvollen I Menschen jener unglückliche Ritter von der traurigen Gestalt nichts weniger als unsympathisch und, von einzelnen seiner rein verrückten Streichen abgesehen, nicht einmal lächerlich. Wir entdecken unschwer in dem unterhaltenden Werke einen liefern Sinn: wir sehen einen Menschen, der nicht erst durch den Kamps mit der rauhen Wirklichkeit seinen Verstand einbüßt, sondern bereits nach dem Verluste seines Verstandes den bittern Kampf aufnimmt. Das gibt zu denken, wenn man nicht anders einem so gei weichen Schriftsteller die äußerst bescheidene Absicht zumulen möchte, zur Kurzweil seiner Leser sinnlose Handlungen eines Verrückten vorführen zu wollen. Sollte uns Cervantes nicht vielmehr sagen wollen; Derjenige, der ungeachtet aller Schwierigkeiten den Kampf ums Recht und um das Gute bis zu seinen äußersten Konsequenzen durchführen w )llte, läuft nicht etwa Gefahr, verrückt zu werden, nein, er muß schon längst verrückt geworden sein, wenn er so etwas anfängt? Denn so lange, bis die Menschen am Gängelbande des absoluten Gerechtigkeitssinnes und der reinen Liebe zu leiten sein werden, bl übt doch nur der sogenannte „gesunde" Menschenverstand als einzige Richtschnur fürü Leben übrig und den vertritt eben in seiner erfrischenden Einfalt und seinem ungetrübten, nicht von der geringsten Gefühlsduselei

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