Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 287 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2969669-2970014-2970026--7815-2978508- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rawicz 1× ep/1048078
OCR text
T | — 287 — würde! nimmermehr fähig sein, einen Juden zu taufen, der eben; erst erklärt hätte, daß er die fundamentalen Grundwahrheiten der evangelischen Kirche nicht anerkennt. Man müsse immer die dringende Mahnung an die Geistlichen richten, recht ernst und gewissenhaft bei der Annahme und Taufe jüdischer Proselyten vorzugehen. In England gebe es Juden, welche ein reines Geschäft daraus machen, sich taufen zu lasten. Dem Komitee gebühre der Dank für seine gewistenhafte Tätigkeit." — Das von dem bekannten Spezialarzt für Lungenkrankheiten Dr. Hetting^r vor einigen Jahren errichtete Sanatorium in Nordrach (Schwarzwald) ist am 1. November in den Besitz ider Rothschild-Stiftung in Frankfurt a. M. übergegangen. Laut Stiftungsdestimmuing soll die Anstalt (wie die von der gleichen Stiftung im Bad Soden am Taunus bereits errichtete) zur Aufnahme und Behandlung von Lungenkranken mosaischen Bekenntnisses dienen. — Der verstorbene Stadtrat Bernhard Herschel vermachte der Stadt Mannheim 500000 Mark zur Errichtung eines Hallenschwimmbades. — Der aus Rawitsch gebürtige Rentier Herr Philipp Todtmann-Homhurg v. d. Höhe hat mit einem der Synagogengemeinde in Posen zu übergebenden Kapitol von 200000 Mark eine Stiftung errichtet, die den Namen „Isaak und Philipp-Todtmann-Stiftung" führen soll uhd deren Zinsen als Beihilfe zu Aussteuer von bedürftigen Bräuten bestimmt sind. — Hetr Dr. I a e o b - Göttingen ist als Rabbiner nach Dortmund berufen worden. — Da^ Budapester Amtsblatt meldet die Ernennung des Redakteurs und Schriftstellers Josef jBeczi zum Honorar-Ministerialrat im ungarischen Ministerium. Der neue Ministerialrat ist wiederholt öffentlich für das Judentum eingetreten. Er bekämpfte die antisemitischen Lügen mutig im Parlament und in der Presse und mußte wiederholt, wegen der Schärfe seiner Polemik Prozesse führen. Als ein klerikaler Gegner ihn höhnisch an Judentum erinnerte, reagierte er darauf mit folgenden Worten: „Daß ich als Jude geboren wurde, ist nicht mein Verdienst; daß ich aber Jude bin, daß erfüllt mich Mit unendlichem Stolze und ich werde mich immer bestreben, dieses Namens würdig würdiß zu bleiben." Josef Beczi ist am 6. November 1856 in Arad geboren, erwarb sich ih jungen Jahren einen guten Namen als ungarischer Dichter und ist seit 1877 berufsmäßiger Journalist und Redakteur bei den hervorragendsten Budapester Tagesblättern. E^ war auch bis vor kurzem Präsident des Budapester Journalistenverbandes. — Sjr Hovace Rumbold, der frühere Botschafter Großbritanniens am Wiener Hofe, hat die Geseichte seiner Diplomatenlaufbahn in einem Memoirenwerk beschrieben, besten dritter und letzter Band vor einiger Zeit erschienen ist. Der Verfasser äußert sich darin u. a auch in sehr beachtenswerter Weise über die Frage des Antisemitismus. „Der -Antisemitismus" — sagt er — „ist eines der ernstesten Übel, an denen das öffentliche ^eben!in Österreich leidet, und es gibt in Wien keinen verderblicheren Einfluß als den des bigotten und herrschsüchtigen Bürgermeisters Dr. Lueger, der unglücklicherweise die fließende rhetorische Macht eines geborenen Demagogen besitzt. Der Wahnsinn seines leidertschaftlichen Kreuzzuges gegen die Juden ist durch die verheerenden Wirt-