Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 286 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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WWW> 286 synode hatte ar!ch ihre „Jüdendebatte". Oberkonsistorialrat Dr. Keßler erstattet Bericht über die Tätigkeit der „Gesellschaft zur Beförderung des Christentums unter den Juden". Die. ^Gesellschaft unterhielt!drei Missionsstationen, Berlin, Posen und Wien. Aus diesen arbeiten zwei ordinierte Geistliche in Berlin und ein Laienmissionar in Wien, ferner noch ein Hilfsarbeiter im Nebenamt in Posen. Das Arbeitsfeld hat, so heißt es im Bericht u. a. seine besondeten Schwierigkeiten, auf Massenbekehrung zu hoffen, erscheine verfrüht. Praktische Schwierigkeiten seien: der sich noch immer vertiefende Rassengegenfatz zwischen Jude junt) Nichtjube, das ungeisttiche Wesen inmitten der Christenheit und | in der neuesten Zeit und in wachsendem Maße die zwiespältige Theologie innerhalb der evangelischen Kirche. Ermutigend sei, daß sich bei den Juden immer stärker die Erkenntnis Bahn! breche: So wie es jetzt ist,' kann es nicht mehr länger weiter geHen. Das gesamte Volk sei bis 'sn seine Tiefen aufgeregt und suche eifrigst nach etwas Neubm, zunächst nach einer neuen Heimat, denn die alten Wohnsitze suchen sich der Juden zu entledigen. Die jährliche Auswanderung allein aus Rußland betrage rund 50000; der größere Teil davon gehe üler Deutschland nach England und Amerika. Der Zionismus suche eine neue Heimstätte in Palästina zu schaffen: er befinde sich jedoch derzeit in einer Krisis, deren Ausgang noch nicht abzusehen sei. Andernteils mehren sich die Stimmen, die eins geistige Erneuerung fordern, und deshalb sei die Tätigkeit der Gesellschaft recht kräftig zu unterstützen. Tanfbewerber seien in den letzten Jahren insgesamt 1691 vorhanden gewesen, von denen 72 zur Taufe gelangten. Von den Täuflingen sind 70 in Berlin rstld 2 in Wien getauft worden. 67 waren Männer, 65 Frauen. Vertreten sind darunter die verschiedensten Altersstufen von 20 bis 62 Jahren, desgleichen die verschiedensten Berufs- und Gesellschaftskreise. Der Bericht erwähnt es als eine peinliche' Erfahrung, daß ein Israelit, dem das Komitee die Taufe versagen mußte, iveil er die im apostolischen Glaubensbekenntnis bezeugten fundamentalen Wahrheiten des christlichen Glaubens nicht anerkennen wollte, kurze Zeit daraus von einem Gemeindegeistlichen, der genau den Sachverhalt kannte, doch getauft worden sei, während jetit anderer auf dem Wege dazu sei. In einem Falle habe ein Ehemann, dessen jüdische Frau sich taufen lassen wollte, sich diesem Vorhaben energlsch widersetzt, so daß sie . unmittelbar vhr der Taufe Uvieder zurückgetreten sei. Der Ehemalig habe erklärt gehäbt, daß er der ^anfe allenfalls noch.zustimmen würde, wenn sie von einem liberalen Geistlichen vollzogen würde.' Syn. Pred. Dr. Fischer sagte: „Aus den zuletzt erwähnten Mitteilungen des Berichts klii ob^sie bei der Bekehrung i Er weise zurück, daß ein ge etwas wie Vorwurf gegen liberale Geistliche hindurch, als nd der Behandlung jüdischer Proselyten gewissenlos vorgeyen. der liberalen Richtung angehörender Geistlicher als sollcher nicht in der Lage sei, grundlegend in die christlichen Wahrheiten einzuführen und einen jüdischen Prosrlyten aus diesem Grund zu taufen. Das Komitee sei nicht dazu berufen, festzustellen, arff welchem Wege die fundamentalen christlichen Wahrheiten einem jüdischen Prosetiten zu übermitteln sind." Sun. Pred. Pfeiffer (Berlins meint: „Ein positiver Geistlicher