Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 285 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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285 nngemdbet und es werden noch weitere Anmeldungen entgegengenommen. Der Unterricht in der Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem findet völlig unentgeltlich statt. Auch das den Unterricht nötige Material (Papier, Farben u. dgt.) erhalten die Schüler kostenlos. Es werden von den Schülern beidem Wettbewerb keine fertig ausgeführten Werke verlangt, sondern irgend welche Arbeit überhaupt, aus denen man ein Urteil' über iure künstlerische Veranlagung gewinnen kann. Bevorzugt bei der Aufnahme werden Schüler, welche Mittel zum Lebensunterhalt haben. Es können jedoch auch solche ausgenommen werden, welche keine Mittel besitzen, wenn sie sich durch besondere Begabung auszeichnen. Es ist deshalb sehr erwünscht, daß dem Komitee Mittel zur Bildung eines entsprechenden Stipendienfonds zur Verfügung gestellt werden. — InBerlin starb am 6. Oktober Herr Landrabbiner Dr. Prager aus Cassel unh fand sein Leichenbegängnis in Cassel am 11. Oktober unter großer Beteiligung statt. Herr Rabbiner Dr. Eschetbacher aus Berlin hielt die Gedächtnisrede in der Synagoge. Die herrlichen Charakter- und Geistesgaben des Verewigten sichern ihm ein ehrendes Andenken.—katholische „Märkische Volkszeitung" schreibt: Wir sind in der erfreulichen Lage, ein schönes Beispiel von Toleranz auf jüdischer Seite aus Berlin mitteilen zu können^ Bekanntlich haben in fünf der größten Säle Berlin katholische Missionsversammlüngen stattgefunden. Zwei von diesen Säten waren vom Porstande der jüdischen Gemeinde als Betsäle zur Feier des Bersönungsfestes gemietet unh benutzt worden, aber auf Wiunsch der Lokalkomitees für die Missionsfeier hat der Vorstand der jüdischen Gemeinde diese Säle für den Abend nach Beendigung des jüdischen Gottesdienst unseren Festvertsammlungen zur Verfügung gestellt. — In Höchst wurde, da die Synagoge sich im Umibau befindet, der israelitischen Gemeinde der Saal des katholischen Vereinshaüses zur Verfügung gestellt und auch von ihr benutzt. — Am 29. Oktober starb in Berlin der bekannte Justizrat Dr. Heinrich Meyer Cohn im besten Mannesalter von 50 Jaihren. Seinen Bruder, den bekannten Autographensammler Alexander Meyer Cohn,! dessen Sammlungen jüngst durch einegroße Kunsthandlung versteigert lvurdeil, hat er nur um eiu Jahr überlebt. Dr. Heinrich Meyer'Cohn war Mitinhaber des Bankhauses Meyer Cohn, zu dessen Kundschaft die hochfeudalste Berliner Gesellschaft gehört. Er hat die Rechtsanwaltpraxis schon seit Jahren nur yoch in seltenen Fällen ausgeübt, denn seine Interessen und seine Tätigkeit galten öffentlichen Angelegenheiten auf politischem, literarischem und wissenschaftlichem Gebiete. Er war ein kenntnisreicher, philosyphisch geschulter Manu, der auch in Tagesblättern und Zeitschriften die Früchte seiner Studien niederlegte. Der Verstorbene hatte für seinen Glauben und seine Glaubensgenossen ein tief fühlendes Herz. Mit regem Interesse verfolgte er die das Judentum berührenden Fragen und Erscheinungen. Seit einigen Jahren betätigte er sich ganz besonders in der ,.Alliance israeüte universelle \ deren Ziele er in jeder Weise zu fördern suchte.! Dabei lvar er von regem Wohltätigkeitssinn, der jederzeit gern und reichlich gab, ohne damit in der Öffentlichkeit zu prunken. — Die brandenburgische Provinzial-