Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-11-01 · Heft 11-12 (November 1905) · p. Seite 282

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 11-12 (November 1905)
Date
1905-11-01
Page
Seite 282 (sequence 44)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2969669-2970014-2970026--7810-2978503
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

w i — 282 — bleiben; gesunde Steine sinh auszubefsern, die abgeblätterten und zerstörten aufzugeben. Nur die Minderzahl der Inschriften ist gut erhalten, aber gerade die tiefgemeißelten am schlechtesten. Die ältesten (gotischen) zeigen flach gehauene Buchstaben, erst vom Jahre 1600 an ändert sich das. Der Vortragende führte sodann eine Reihe von photographischen Aufnahmen in Lichtbildern vor, die die Einzelheiten schön erläuterten. Sie zeigen die reiche Ornamentierung der Steine mit Bär- und Löwenskulptur, Rosetten und einer Fülle üppigen Maßwerks. Als Symbole erscheinen die Traube, die Kanne, die segnenden Hände, Schilde und ein enger Anschluß an die Hauszeichen; auch Adam und Eva, sowie der fröhliche, tanzende Mach: (Familie Bonn), der Männerkopf (Manskopf), der Pinienzapfen kommt als Ornament vor. Die Familie Drach hat einen Drachen. Auch zwei Marmore kommen vor. — Die aufgenommenen Steine sind numeriert worden. Das Komitee für den Frriedhof hat als Ehrenvorsitzenden den Herrn Rabbiner Dr. M. Horowitz, der stch durch Herausgabe der Inschriften des alten Friedhofes verdient gemacht'^ als Vorsitzenden' Herrn Raphael Kirchheim. — In Mannheim wurden vor^ kurzem eine Kochkisten-Ausstellung eröffnet. Die ausgestellten Objekte wurden i^ der deutschen Presse lebhaft besprochen. Nun, so neu die Kochkiste auch zu sein scheint: sie ist doch schon seit Jahrtausenden bekannt. Die klassischen Philologen können wenigstens mehrere Zitate aus dem ersten Jahrhunderi M- Ist die Kochkiste heutzutage den außer dem Hause betwendigkeit, so war sie dies stets für den jüdischen Haushalt cchte Essen am Sabbat warm zu halten. Den Römern war Juden so auffallend, daß römische Dichter die Juden als dm . bezeichneten. Juvenal erwähnt in dieser Weise an zwei Uden, die mit Heu ausgefüllt ist, das die Speisen warm hält (im Talmud kommt sie natürlich auch vor). Der griechisch - lateinische Ausdruck dafüs ist Cophinus. das in dem englischen Coffin und Coffre und dem deutschen Koffer fortlebt. Diese von Juvenal genannten, mit Heu gefüllten Kisten fehlten vor 1800 Jahres ebensowenig in einem jüdischen Haushalt, wie heutzutage ähnliche, da das jüdische Gese jede Anwendung des Feueps am Samstag verbot. In den Scholien zu den Juvenalstellen ist die jüdische Kochkiste „Cophinus et femim“ mehrmals beschrieben: „Kiste un) Heu sind deswegen ihr Hausgerät, weil sie gekochtes Fleisch darin aufbewahrten, um am Sabbat warm essen zst können." Eine bei Friedländer in seiner großen Juvenalausgabe zitierte Leidener Handschrift, mit unedierten Scholien zu Juvenal drückt sich noch deutlicher aus: „Die lJuden, die einen Tag vor Sabbat ihre Speisen heiß in die Kochkisten legten und mit Heu umgaben, nachdem die Töpfe vorher mit Tüchern un Servietten umwickelt ware^i, damit sie am Samstag warmes Essen hätten." Der Unter, schied zwischen der Kochkiste vor fast 2000 Jahren und der modernen Kochkiste ist also nur der, daß letztere angekochte und nicht gargekochte Speisen empfangen soll. Übrigens kann.es schon damals auch jüdische Sabbatspeisen gegeben haben, die durch 18- W nach Christus dafür bringe schäftigten Frauen eine Not um das am Freitag angekc diese Eigentümlichkeit der „Leute mit der Kochkiste" Stellen 1>ie Kochkiste der I

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.