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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-11-01 · Heft 11-12 (November 1905) · p. Seite 281

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 11-12 (November 1905)
Date
1905-11-01
Page
Seite 281 (sequence 43)
Language
German
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281 Grün einer wild ausgewachsenen Vegetation malerisch durchbrochen j sind. Die Steine stehen gedrängt zusammen und die Überfüllung des Raumes kennzeichnet sich dadurch, daß euje ganze Reihe von Grabschichren übereinander liegen — män hat 5 bis 7 zu finden geglaubt und 4 sind gesichert —, so zwar, daß die Steine immer pietätvoll wieder nach oben zusammengesetzt worden sind. Tie Methode der Bestattung war derart, daß man neue Erdschichten, je ein Meter hoch, bei penen Grabanlagen anftrug. So genügte der Begräbnisplatz allerdings für viele Jahrhunderte. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts hat er nachweislich schon existiert, er wurde 1828 geschloffen. Er liegt in einem belebten Stadtteil und eine nur mäßig hohe Mauer umschjließt ihn. Früher gab es eine kleine Pforte als Zugang, aber in neuerer Zeit kanst man nur durch Seitentüren an der Synagoge hineingelangen Dem alten Ghetto - war der Friedhof eng angeschlossen. Er zählt fast 7000 Grabsteine; diese liegen dichter im Osten als im Westen. Hügelig ist das ganze Terrain und so schwer zugänglich, so dicht mit Steinen besetzt, daß man oftmals über diese, hinweg klettern muß. Alle Stadien der Verwitterung begegnen uns. Viele Steine sind leidlich erhalten und stehen aufrecht, andere liegen geborsten am Boden. Zu jeder Jahreszeit präsentiert sich der gesamte Eindruck in anderer Weise. Sehr lvertvoll sind die ältesten Grabsteine, die mit 1280 beginnen; bis zum Jahre 1400 gibt es nur 40 solcher. Manche sind selbst für geübte Orientalisten schwer zu entziffern, sie sind ohne Interpunktionen und zeigen viele Abkürzungen. Räumlich konnten sich die Bestattungen nicht weit ausdehnen und so entstand ein wahres Stein- Arsenal, Im Jahre 1241 beginnt die urkundlich beglaubigte Geschichte der Juden in Frankfurt. Sie wurden aus der Stadt vertrieben. Ihre Wohnungen waren in ältester Zeit in lder ganzen Stadt verteilt; Häuser, Äcker und Wiesen besaßen sie überall. Im Oktober 1316 ist bereits ihr Eigentum des Friedhofs beglaubigt. Es datiert sicher, schon lange vor der Verlegung der Judengasse aus der Saalgasse nach Osten. «Neu- Egypten" nannte der Volkswitz das neue Quartier. Bei der Belagerung von 1552 wurden auf dem Friedhof Geschütz^ und Mannschaften postiert. Wählend des Fettmilch- Aufstandes und des Überfalles der Judengasse am 1. und 2. September 1614 flüchteten die Juden auf den Friedhof und ^erwarteten dort betend den Tod.! Weit weniger als die historische Erinnerung an desi Totenhof wird seither die künstlerische gewertet. Aber sie ist durchaus ernst zu nehmen. Pietätvoll hat die Gemeinde die Stätte jederzeit gepflegt. Die Steine sind jedoch Sandsteine und zerbröckeln, der Verfall ist groß. Man siieht am Kölner Dom, wys die Erhaltung beansprucht. Zur gewissenhaften Restauration solcher Denkmale gehört Mut. Hülsen ist als technischer Beirat derart vorgegangen, daß er die schadhaftest Teile mit Zement nur an gesicherten Stellen ergänzen läßt, worauf die alte Skulptur Wieder eingetragen wird. Hinzugefügt wird nirgends. Grabdenkmale, bei denen die Ahnen! sich Nachweisen lassen, werden in erster Linie erhalten: so eine ganze Gruppe von Steinep der Familie Deutz. Bedeutende! Männer sind alsdann zst ermitteln. Malerisch zushmmengesunkene Gruppen sollen als solche erhalten

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