Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-11-01 · Heft 11-12 (November 1905) · p. Seite 271

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 11-12 (November 1905)
Date
1905-11-01
Page
Seite 271 (sequence 33)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2969669-2970014-2970026--7799-2978492
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

pharisäische Judentum aber meint, die Wahrheit dürfe um der Augenblickserfolge teilhaftig zu werden, kein Bündnis mit dem Irrtum eingehen. Es konnte warten, denn sein. ist die Ewigkeit, darum verzichtete es vorerst auf den Ruhm Weltreligion zu werden und gönnte neidlos der jungen Lehre ihre weltbezwingenden Siege. * * * Tief hinein in die Entstehungsgeschichte des Christentums führt Paul Heyse in seinem Maria von Magdala. Freilich über die tiefen Probleme religiösen Werdens und Entstehens suchen wir bei dem Dichter der durchgeistigten Sinnlichkeit vergebens Aufschluß. Er gibt ein feffelndes Seelengemälde. Maria von Magdala früh einem alten und rohen Manne in die Ehe gegeben, entzieht sich durch die Flucht nach Jerusalem ihrem brutalen Zwingherrn, ergibt sich in der Großstadt den Freuden des Daseins sind lebt dort als — Kameliendame. Da tritt die weihevolle lautere Persönlichkeit des milden Predigers aus Nazaret in ihren Gesichtskreis und der heilige Zauber seines ^Besens wandelt die Sünderin zur Büßerin, die Unreine zur Reuigen. Daneben fesselt uns ein andres psychologisches Problem. Judas Jschariot sieht in dem Nazarener den verheißenen Messias seines Volkes und folgt ihm in hingebender Liebe und Freundschaft. Da wird er an seinem Ideale irre. Denn der Meister verlangt Liebe auch für — die Römer, die Feinde Israels. freilich tut der Dichter alles, um uns diese römischen Sipger als liebenswert erscheinen zu lassen. Pontius Pilatus, der bekannte Landpfleger Judäas, ist voll landes^äterlicher Fürsorge für das jüdische Bolk^und empfindet es tiefschmerzlich, daß der Eigensinn dieser Nation seinen wohlgemeinten Plänen das Verständnis verweigert. Diesen Pontius können wir dem Dichter nur glauben, wenn wir alle unsre geschichtlichen Erinnerungen über diesen Römer zum Schweigen bringen. Er, der den Tempelschatz geplündert, die Juden zur Anbetung der Kaiserbilder zwingen wollte, römische Soldaten in Jüdenkleidern im B.olke Meuchelmorden ließ, tritt uns im Stücke entgegen wie ein Toleranzprediger im Stile des 18. Jahrhunderts, der eitel Duldung und Liebe ist. Heyse hat dem Pontius zu viel Ehre angetan. Der blasierte Genußmensch mit dem Motto: „Was ist Wahrheit!" hat sich wahrlich über die Lebensideen Israels nicht d^n Kopf zerbrochen, er suchte sich so gut es ging, durch Liebes- und Tafelfreuden über dkn für ihn exllsähnlichen Aufenthalt in dem orientalischen Jerusalem hinwegzutrösten und war wohl zumeist in der Stimmung, wie sie unsren Assessoren eignet, wenn sie von Berlin oder Köln nach irgend einem Nest an der Weichsel oder Warte verschlügen werden.! * * * Während Pontius in seinem Palaste so gut es ging sich die Zeit vertrieb, predigte ein junger Jude, der fn den Schulen der Schriftgelehrten das Gesetz des Eivige» erforschte, in der Synagoge über das Wort: Vom Bach am Wege trinkt Israel,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.