Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 270 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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das blutige Haupt des Täufers, mit den feinen schlanken Fingern der andern Hvnd berührt sie die gebrochenen Augen des Toten, der das Opfer ihrer wollüstigen Blutäier geworden ist. I Eine Perverse sieht auch Oscar Wilde, den die Engländer die eignen krankhaften Neigungen im Kerker haben büßen lassen, in dem eben zum Weibe erblühenden Kinde Salome. Alle begehren! die Schönheitsvotte und sie ersehnt nur den Einen, den Häßlichsten. Niemand würde ihr die Lippen zum Liebeskuß weigern. Doch sie will nur den Mund küssen, der nstr der rauhen Predigt der Buße dient. Er ist ihr nicht zu willen, drum soll er sterben, drum fordert sie von dem verweichlichten Herodes, der ihren Reizen nicht widerstehen kann, daß man ihr bringe auf einer Schüssel das Haupt Johannes des Täufers, j Schlotternd vor innerer Angst erfüllt der verruchte Tetrach diese verbrecherische Bitt^, der Neger, dessen schwarzer Arm gegen das geweihte Leven des Propheten den Todesstreich geführt hpt, bringt ihr das blutrünstige Haupt auf einem silbernen Gefäße. Jetzt kann sie. in ihrer Brunst ihre warmen Lippen auf seinen kalten Mund drücken. Und ihre Mutter, die durch Schuld und Schmach zum Thron gelangte, Herodias, freut sich dessen im stillen. Der unduldsame Mahner, der sie feile Dirne gescholten, mußte beseitigt werden. Der feige, in Sinneslust verkommene König zittert vor der Rache des Himmels, in dessen Dienst sich der Mann aus der Wüste gestellt hatte und zugleich peinigt ihn der quälende Gedanke. Ihn hat das schöne Kind nicht küssen mögen, ob er ihr auch alle Schätze der Welt bot und diesen wahnwitzigen Schwärmer, der den-Niederungen des Volkes entstiegen war, herzt sie wieder unb wieder. In blutdürstiges Hasse -- das Erbstück seines königlichen Ahnherrn, läßt er das perverse Kind von den Schilden der Leibwache zermalmen. Mit Recht hat njan Wildes kleines Drama ein fleckenloses Meisterwerk des Jmpressionalismus genannt. Es werden darin Worte gesprochen, die blitzartig den ganzen Hintergrund erhellen. Worte, die uns das tiefste Seelenleben jener Zeit offenbaren. Vor dem Festsaajle des Herodes plaudern zwei römische Soldaten: „Das he^rlt ja darin wie wilde Tiere. Die Juden. So machen sie's immer. Streiten über ihre Religion. Die Pharisäer behaupten, es gibt Engel. Die Sadducäer sagen, es gibt keine. Lächerlich über so was zu streiten. Und sie.glauben an einen Gott, den man nicht sehen kann." Es sst, als hätte ein Phonograph vor zweitausend Jahren d^ese Unterredung festgehalten, so lebenswahr ist Wort um Wort. Und hier liegt die Antwort auf unsre oben gestellte Frage. So wie diese Soldaten, dachten damals die Heidenmassen, darum kvMte das Judentum nur die Gebildeten gewinnen, die durch ihre philosophische Schulung für den reingeistigen Gottesgedanken vorbereitet waren. Sie stellten das Kontingent der Bekehrten. Die Volksmassen aber waren noch gqnz erfüllt von polytheistischen Vorstellungen, um sie für die jüdischen Sittenlehren zu gewinnen, hätte nlan sich zstr Trübung der Gottesvorstellung entschließen müssen. Paukus entschloß sich zu einem Kompromis und glänzende Erfolge lohnten sein Wagnis. Tjas