Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 269 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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269 zusammen." Es blieb nicht bei den schönen Worten, ihnen entsprachen die Werke. Es ist pharisäisch gedacht, wenn der Dichter sagt: „Und der schönen Tat in Worten, könnten wir wohl g^nz entraten, Was uns Not tut allerorten, ist ein schönes Wort in Taten." Sie waren treffliche Organisatoren der Armenpflege, ihre Wohlfahrtseinrichtungen braucht die Kritik unserer modernen sozialen Weisheit nicht zu scheuen. sollten diese Männer wirklich in dem Täufer ihren Todfeind gesehen haben. Was lehrte denn der Wüstenprediger? Tschuba Buße, Rückkehr zu Gott, Einkehr, Selbstbesinnung, Forderung der Liebe und Gerechtigkeit. Daß alles kündeten auch die Schriftgelehrten: Buße und Liebe ist ein Panzer gegen Leid und Unheil. Wie Gott liebevoll ist, "so sollet auch ihr liebevoll sein. Dein „Ja fti Ja, Dein Nein sei Nein."! „Was du nicht willst, das man dir tu', das füg auc^h keinem andern zu!" Johanves weissagte das kommende Gottesreich, harrte des konimenden Erlöserkönigs. Das charen auch die sehnsuchtsvollen Träume der Schriftgelehrten. Johannes erhoffte die Befreiung seines Volkes vom schändlichen Römerjoch, mit nicht geringerer Inbrunst suchten die Schriftgelehrten die Zeit der Erlösung vom Schibud malchut, von der Römevknechtschast herbeizuführen. Ja wir wagen sogar die Behauptung, die Pharisäer waren noch — sozusagen — johanneiscker als der geschichtliche Johannes. Dieser blickte nicht hinaus über das Gitter der jüdischen Nationalinteresten. Seine Sendschast galt nur Israel. Tie Pharisäer, — und nun zitieren wir die! ihnen feindselige Urkunde, die also hier gewiß glaubwürdig ist — rüsteten ganze Schiffe aus, um eine Heideufeele 311 gewinnen. Sie suchten die israelitische Heilslehre der ganzen Menschheit zu erschließen. In großartiger Missionstätigkeit gelang es ihnen in allen Großjtäüten der alten Welt zahlreiche Heiden zu bekehren, allerorten bildeten sich durch ihre Propaganda Proselytengemeinden, für deren Gedeihen eine Segensbitte in die tägliche Andacht eingefügt wurde. Warum bei so außerordentlichen Erfolgen das Judentum dennoch nicht Weltreligion wurde? Darauf gedenken wir weiter unten bündig zu antworten.! .* * * In vieldeutiger Knappheit überliefert die Quelle die Erzählung vom Gastmahle des zweiten Herodes vom Tanz der Salome, von der Hinrichtung des Täufers. Mit keinem Wort wird der Tanz der Salome geschildert, dessen Lohn und Opfer das Haupt des sittenstrengen Galliläers ward. Kein Wort üher das Motiv dieser merkwürdigen Forderung, kein Hinweis auf die eigenartigen Seelenvorgänge, die zu solcher Bitte führten. Die Kunst aber hat sich mannigfach bemüht, diese Lücke auszufüllen und die sicherlich ganz ungewöhnliche Seele dieses Mädchens zu enthüllen! Der sezesfionistische Maler Louis Corinth, ein geborner Ostpreuße, stellt sie uns dar als eine halbreife Jungfrau mit irrein Blick und von wahnsinniger Lust verzerrtem Antlitz, in ihrer Hand