Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 268 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2969669-2970014-2970026--7796-2978489- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
268 ihm wird das Volk beiehrt: ^heilig sollt ihr sein, denn ich bin heilig. Auch den Fretndling sollst du lieben wie dich selbst, du sollst nicht rächen und Groll nachtragen, du sollst dich freuen andeinem Feste, auch der Fremdling, die Witwe und Waise mit dir." Alle Satzungen sind Vorschriften hatten das eine große Ziel im Auge, Israel zur Lebensweihe und Däseinshesligung zu erziehen. Darum durften die Juden, der Herodierzeit beten: Wir freuen, uns mit den Worten deiner Lehre, denn sie sind ünser Leben und die Dauer urserer Tage und über.sie sinnen wir nach Tag und Nacht. Nun sollen es nach Suderisiann, der freilich darin keineswegs originell ist, die schriftgelehrten Pharisäer gewesm sein, die dem Volke durch ihre Gesetzesumzäumungeu das Leben schier unerträglich gemacht habesi. und unduldsame Dunkelmänner, den Pharisäern zu benützen. E Altliberalismus In den Pharisäern sieht er weltfremde Finsterlinge die den Anforderungen des' Lebens verständnislos . und und entweder mit gedankenarmer Beschränktheit im geistlichen For menfeindselig gegenüberstehen, die sich jedem Fortschritt als blindgläubige Buchstabenkuechte etttgegenstemmen dienst hahinlebesi oder als raffinierte Heuchler ihren eigenen Vorteil suchen. Die, Quellenschriften, Evangelien, die diese sich dem nazarenislchen B^essiasglauben verschlossen. Wegen ihrer offenkundigen aus der' biefe^j des Pharisäertums zu gewinnen is^ sind die begreiflicherweife die Schriftgetehrten schwarz in schwarz malen, weil feindseligen Tendenz sind die neutestamentlichen Urkunden aber nicht als objektive Zeugnisse ü)er das Wesen und den Wert der jüdischen Schriftgelehrsamkeil wird doch niemandem einfatten, eine Charakteristik des preußischen aus Leitartikeln der Kreuzzeitung zusammenzusetzen und das als geschichtlich -sachliche Darstellung auszugeben. Punkt uni Punkt zeigt eine leidenschaftslose, besonnene Forschung das Gegenteil von dem, was der Haßr aus den Pharisäern gemacht hat. Sie waren die für die jüdischen Ideale aufrichtig begeisterten Botksfreunde. Ihnen lag die Fortentwicklung des Judentums, die Ber nnerlichung der Religion, die Verbreitung der prophetischen Forderung am Herzen. Ihnen dankt nicht nur Israel, sondern die durch Israel gottgläubig gewordene Menschheit das schöne Gebetswort: „Unser Vater der Du bist im Himmel", sie gaben den alten Festen ihres Volkes eine erhöhte religiöse Bedeutung^ sie machten den Neujahrsta; zum Fest der göttlichen Vorsehung, und das sommerliche Erntefest Schabuot wurde durch sie der Gedenktag der göttlichen Offenbarung. Nur die Unkenntnis kann ihnen ein Herz für ihr Volk absprechen. Nur die Unwissenheit oder Böswilligkeit! kann behaupten, sie hätten sich der Armen nicht angenommen. Freilich kann sich Sudersnann ar f Harnack, den Kirchenhistoriker, berufen. Doch größer als Harnack ist die ^Wahrheit. Diese lehrt, daß die Pharisäer die Liebe gegen die Armen und die lauterste Menschenliebe in den herrlichsten Worten gepredigt haben: ,^Nehmt auf Euch das Joch des Himmelreiches, überbietet einander an Gottes Furcht und liebet einander wie Brüder." „Nur wer Liebe übt, gehört zu den wahren Nachkommen Abrahams." „Wohltätigkeit und Liebe sind so viel wert, als alle Gesetze der Tora