Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 267 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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267 Hier interessiert uns vor Ellern die Schilderung der Zeitverhältniffe, Sudermann ist Verist, wir erwarten von ibm Epochk. In der Tat versucht ein möglichst genaues und getreues Bild der herrischen er uns durch gewissenhafte Kleinmalerei mit dem Charakter und den Tendenzen jener Phase vertraut zu machen. Bei einer besonnenen Prüfung der Einzetzüge, die der Dichter bietet, müssen wir diesen dankenswerten Versuch als mißlungen bezeichnen. Gleich im Eingang des Stückes belauschen wir zwei Juden im Gespräch. Eljakim sitzt in seiner Krambude und ftulriert in der Tora, da redet ihn Pasur an. Eljakim: Es steht geschrieben, wer einen unterbricht, der da liest das Gesetz, hat das Leben verwirkt. Drauf Pasur: „Danr^ vergib Nachbar! Zeig mich nur nicht an. Ich habe Man sieht sogleich, welches Wort der rabbinischen Quelle der bekannte Bäterspruch: Wer da liest im Gesetz und schön ist dieser Baum, wie lieblich ist diese Flur, Sudermann hat dieses Wort zwiefach mißverstanden: durch einen Andern verursachte Störung im Gesetzesl villige Abwendung vom Gotteswort. 2. will dieser Satz nicht ein strafrechtlich zu verfolgendes Verbrechen statuieren, sondern vielmehr lehren: Wer da glaubt in der Natur (^ott eher zu finden, als in der Tora, der schädigt fich der Natur ist mannigfacher irriger Auffassung unterworfen, während in der geoffenbärten Lehre unzweideutiger Aufschluß über den Willen Gottes an den Menschen zu gewinnen ist. : Dichter dann weiter sprechen: „Wahrlich gehetzt wie wen der Römer nicht schlägt, den schlägt das Gesetz." für die Gesinnung und Empfindung der damaligen gesündigt aus Unwissenheit." dem Dichter vorschwebte. Es ist sich unterbricht, und spricht wir verschuldet sich gegen seine Seele. 1. handelt es sich nicht um eine studium, sondern um die eigens Denselben Pasur läßt der die Hindinnen sind wir Hebräer, Darf solches Wort als typisch Juden gelten? War ihnen wirklich das Gesetz eine Last und nicht eine Lust, eine Schmach und nicht ein Schmuck, eine schwere Bürde und nicht eine herrliche Würde? Finden wir in den Selbstbezeugungen jener Zeit, wie sie uns in! reicher Fülle vorliegen, Seufzer über die drückenden Fesseln der Satzungen oder jubelt es nicht vielmehr darinnen im Glücksgefühl, eine das ganze Leben umspannende Gpttesordnung sein eigen zu nennen. Da lesen wir: „Wäre nicht deine Lehre meine Lust, untergegangen wäre ich in meinem Elend." Oder „fröhlich wie Liederklänge stimmen mich deine Satzungen auf dem Wege meiner ErdenwalljfahrtOder: „Gott wollte Israel beglücken, darum gab er ihm die vielen Vorschriftein." Wie hätte ihnen auch das Heilswort des Ewigen eine drückende Last sein sollen, unter der sie mühsam nun ihres Weges ziehen konnten. Bestand denn das Gesetz, wie man so gern vorgibt, um den Druck, den es wohl ausgeübt hat, zu veranschaulichen, wirklich nur aus einem Gemenge von Speisesatzungen, Tempelriten und Reinigungsvorschriften, bot nicht dieses Gesetz die lauterste Sittlichkeit, die reinste Moral! In