Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 263 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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263 Lächelnd erwiderte der Direktor: „Herr, ich bin frei von jedem Borwurfe! Ich habe mich genau nach ihren Angaben bei Aufstellung und Verwendung der seinerzeit richtig empfangenen Blasebälge verhalten; allein es war alles vergebens. Die erloschene Glut blfeb erloschen; da half kein Blasen, kein Schüren!" „!Ja! wenn Sie die Glut ersterben lassen", sprach der Staatsrat, „dann freilich nützt kein Blasebalg mehr; die tote Glut bleibt tot!"- ajteine Herren! Dies ist mein Gleichnis. : Hören Sie noch die kurze Anwendung: Unsere heilige Religion stellt die erhabensten Forderungen an uns, ihre Bekenner. Unsere Väter erfüllten ihre religiösen Pflichten mit Begeisterung, sie brachten die größten Opfer für dieselben, denn die heiligen Flammen der Maubenstreuc loderten in ihren Herzen. Diese Mut wurde reichlich genährt durch die hundert und hundert Satzungen und Bräuche, welche sie mit frommen Sinne erfüllten. Sie wollen jetzt einen großen Teil dieser religiösen Äußerlichkeiten abgeschafft wissen; Sie möchten dem Judentume neue, leichtere und gefälligere Formen geben. Ich hätte nichts dagegen. Allein beachten Sic Eines wohl, damit es Ihnen nicht ergehe wie dem Direktor jenes Hüttenwerkes: Lassen Sie, während Sie die neuen Einrichtungen treffen, die heilige Glut des Glaubens im Herzen der Jugend nicht erkalten, nicht ersterben! Denn ist einmal die Flamme jüdischer Glaubensinnigkeit erloschen, dann bleibt das Kommende Geschlecht kalt und unempfänglich für seine Aufgaben. Beachten Sie das Eine wohl, meine Herren! Lassen Sie nur das „Hislahawos", die zündende Begeisterung für die Religion unserer Väter im Herzen der Kinder nichter st erben, lassen Sie nur den Funken nicht ausgehen, sonst nützt alles Blasen nicht! (Rahmer. Wochenschrift 10. Jahrg., 448.) Auch die Glut, die einmal erloschen ist, kann durch die modernen Blasebälge nicht mehr wachgerufen werden. Was Wunder also, daß so viele der Söhne Israels in unserer Zeit dem Glauben der Väter abtrünnig und oft die größten Feinde des Judentums werden. Wenn jedoch die modernen Zionisten glauben, daß diese Krankheit nur dann radikal geheilt werden könnte, wenn man die Jugend für das „nationale Judentum" durch Gründung nationaler Vereine, durch Abhaltung nationaler Borträge, wie durch Veranstaltung der sogenannten „Makkabäerfeste" begeistern würde, so täuschen sie sich gewaltig. Ein nationales Judentum, dem das Feuer der reliösen Begeisterung fehlt, gleicht einem Körper ohne Seele. Vor einigen Jahren hatte der sel. Dr. Jellinek, der wie männiglich bekannt für Israels Lehre und Ehre stets in Wort und Schrift eingestanden und in seinen meisterhaften Reden die Schäden und Fehler schonungslos gegeißelt, sich in einem Artikel über dois sogenannte „Makkabäerfest", wie es in moderner Zeit von den nationalen Inden gefeiert wird, in folgender Weise geäußert: „Seit einigen Jahren hat man in den Kreisen! der sogenannten jüdischen Nationalpartei den Jahrtausende alten Namen „Weihfest" oder „Chanuka" abgeschafft und an dessen Stelle den Namen „Makkabäerfest" ge-