Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 261 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2970014-2970026--7789-2978482- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
201 nehmen Männer sie keine Rücksicht." (Vgl. und Mäcene" S. 88.) auch M. H. Friedländer „Die jüdischen Staats- Oie traurigen Folgen dieses Sittenverfalls blieben nicht aus, eine furchtbare Katastrophe! brach über die Juden Spaniens und Portugals herein. „Es kam Amalek" und dro!hte Israel zu vernichten. In dieser Zeit der Not und Bedrängnis rief Israel sein Vaster an, gelobte feierlichst dem Glauben unter allen Umständen treu zu bleiben, und seih Gebet fand Erhöhung. Zsber auch in der modernen Zeit, die sich die Zeit des Fortschritts, der Aufklärung^ der Cultur und Civitisation nennt, hat Amalek, den man bereits verschollen wähnte, es gewagt, sich wieder in seiner ganzen Größe, in seiner häßlichen, abschreckenden Gestalt zu zeigen. Wenn vor ungefähr drei Decenniem, als die Wogen des sogenannten Liberalismus hochgingen nnd der himmlische Ton der Brüderlichkeit und Freiheit durch — fast ganz Europa drang, es jemand gewagt hätte zu behaupten, daß die Zeit nicht mehr ferne sei^, wo man die Juden wieder mit echt mittelalterlichen Waffen in Wort und Schrift angreifeh, verleumden und verdächtigen werde, man würde an seinem Verstände gezweifelt! haben, und doch hat es leider nicht lange gedauert und Amalek kam, und richtet heute so heillosen Schaden an. Und frägt man nach der Ursache dieser höchst auffallenden Erscheinung, so geht man nicht fehl, wenn man sie als die Folge des kalten frostigen religiösen Jndifferentismus, der sich in Israel in der modernen Zeit breit gemacht, betrachtet. Ein großer Teil des modernen Judentums ist seinem Gotte entflohen, und hat sich seinem Berufe entfremdet daher kam Amalek, damit Israel an seine Pflichten erinnert werde. Die Kenntnis der. Thora ist leider aus Israel geschwunden, dadurch hat es sich schwer versündigt und sich einer mächtigen Waffe entüußert, - durch die allein es im stände wäre seine Feinde zu besiegen, deren hämische Behauptungen und lügenhafte Verleumdungen zu widerlegen wie deren gefährliche Pläne zu vereiteln. Wohl haben sich in neuer Zeit im Judentum Vereine gebildet, die den Zweck herfolgen für die verfolgten und bedrückten Glaubensgenoffen in Palästina ein Stuck Land zu erwerben, um ihnen Ruhe und Selbstständigkeit zu verschaffen. Durch materielle Opfer allein aber kann dieses schöne Ziel nicht erreicht werden. „Schüttle ab den Staub, komm besteig den Tron, Jeruschalajim? entschlage! dich deines Halses Fesseln, gefangene Tochter Zions! denn so spricht der Ewige .! Umsonst seid ihr verkauft, und ohne Geld werdet ihr erlöst werden d. h. wie usisere Weisen bemerken durch Rückkehr zur Thora (Jesaias 51. 14. 15.) „Nicht durch hie Geldmacht, sondern durch die wahre aufrichtige Glaubenstreue, die immer zündenh wirkt, kann Israel befreit und erlöst werden.' Vor allem muß dafür gesorgt werden^ daß die Glut des Glaubens nicht im Herzen der Jugend erkalte. Ein Gleichnis, das der berühmte Dubnoer Maggid (Prediger) im Jahre 1789 in Berlin,