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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-11-01 · Heft 11-12 (November 1905) · p. Seite 260

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 11-12 (November 1905)
Date
1905-11-01
Page
Seite 260 (sequence 22)
Language
German
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260 Als Mordechai ecfuhr, was der Kanzler Haman, vordem er sich nicht duckte und nicht beugte, im Schilde führe, verfügte er sich, in tiefster Trauer in den könig- * Lichen Palast und klagte sein Leid der Königin. Die kluge Esther entgegnete: Es ist gewiß betrübend zu sehen, wie nichtswürdige Geschöpfe sich erkühnen, eine ganze Klasse nützlicher ehrbarer Menschen zu verleumden, zu verdächtigen, dem Hohne und Spott, der Verachtung und den Mißhandlungen des rohen Pöbels preiszugeben, allein frei von aller Schuld sind unsere Glaubens- und Stammgenossen nicht zu sprechen, denn sie haben die errungene Freiheit mißbraucht. Sie haben sich im Innern zerklüftet, wollten leige Autorität anerkennen, verleugnen ihre Religion, daher sie es jetzt so schwer büßen müssen. Das einzige Mittel, das uns noch retten kann, ist die Rückkehr zum Glauben der Väter. Vor allem versuche es, durch die Macht deiner Beredsamkeit, sämtliche Juden, die hier in der Hauptstadt wohnen, zu vereinigen, sie für die Lehre Gottes zu begeistern, suche das Setbstbewustsein in ihnen wachzurufen, damit sie lebhaft das Bedürfnis fühlen, fest zusammenzuhalten, sich zu organisieren, dann wird es uns leicht gelingen, die Pläne und Entwürfe unserer erbittersten Feinde zu vereiteln und bern Könige die Überzeugung zu verschaffen, daß der Judenhaß nicht, wie Haman vorgeben zu können glaubt, geeignet sei das Heil und Wohl des Staates zu fördern, sondern vielmehr den Staat in seinen Grundfesten zu erschüttern. Mordechai beherzigte den Rat der Königin, und so gelang es den persischen Juden ihre Feinde glänzend zu besiegen. Treffend bemerkt daher der Talmud (Megila 13): Der Moment, in welchem der König Achaschwerosch seinen Ring ausgezogen und ihn dem Haman überreichte, als Zeichen, daß er ihm das Recht und die Macht verliehen, mit den Juden, die if^rn Haman als staatsgefährliche Menschen, als Verräter und Scheusale geschildert, nach seinem Gutdünken zu verfahren, hat mehr zur Hebung und Förderung des religiösen Lebens der Jaden beigetragen, als die zahlreichen, begeisterten und begeisternden Reden, die achtundvierzig Propheten und sieben Prophetinnen gehalten hatten. (Vgl. M. H. Friedtänder „Die Arbeit" S. 53.) So war es aber nicht nur im Altertum, sondern auch im finsteren Mittelalter und in den modernen Zeiten. So oft Israel übermütig und gottvergessen wurde, rnuß^e es durch das Erscheinen Amaleks, an seine hohe Aufgabe erinnert werden. „Des Glaubens wegen muß von Geschlecht zu Geschlecht gekämpft werden." In Spanien und Portugal erfreuten sich die Juden im Mittelalter einer freien bürgerlichen Stellung, durften überall wohnen, Handel und Gewerbe ungestört treiben und höhere Ämter bekleiden, daher auch viele von ihnen zu größeren Reichtümern gelangten. Allein infolge dieser Errungenschaften wurde das schöne, prachtvolle Religionsgebäude in seinen Grundfesten erschüttert. Das Studiun: der Thora wurde vernachläßigf, die schönen herrlichen ^Sitten des jüdischen Lebens gerieten in Verfall. R. Jsolk B. Scheschet klagt in seinen Responsen: „Die Reichen und die Adeligen haben bloß ihre Ehre, ihr liebes Ich stets vor Augen, aber auf das Ansehen ihres Gottes abejr

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