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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-11-01 · Heft 11-12 (November 1905) · p. Seite 258

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 11-12 (November 1905)
Date
1905-11-01
Page
Seite 258 (sequence 20)
Language
German
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258 Lehren der Thora, sorget dafür, daß sie nicht vergessen und nicht vernachläßigt werden. Wissenschaft ist Macht, daher diy Thora mit Recht „Sieg, Macht" genannt wird. Nicht immer ab^r war Israel eingedenk der Worte, die seine Ahnen am Sinai mit wahrer religiöser Begeisterung gesprochen: „Alles, was der Herr gesagt, wollen wir tun und beherzigen", l^s hat gar oft Zeiten gegeben, wo ein großer Teil des israelitischen Volkes durch äußere Einflüsse und mannigfache Zeitverhältnisse sich bestimmen und verleiten ließ, dem Glauven der Väter abtrünnig zu werden. Diese Zeiten aber wären für das Judentum verhängnisvoll geworden, so es nicht durch gewaltige Stürme, die Gott ^der Herr erregt, fin seine wahre Mission erinnert worden wäre. Israel gleicht dem Propheten Jona. I Dieser erhielt den göttlichen Auftrag, nach der großen volkreichen Stadt Niniveh zu gehen, um deren Bewohner, die von der Bahn der Tugend und Sittlichkeit abgewichen, j zu ermahnen, zu belehren, ihre Lasier und Fehler schonungslos zu geißeln. Jona aber war nicht frei von Menschenfurcht und wollte es nicht wagen, den Bewohnern Niniveh's eine Strafpredigt zu halten. In seiner Verzweiflung sah er sich gezwungen, die Flucht zu ergreifen, indem er glaubte, sich auf diese Weise seiner Pflicht entziehen zu können. Er ging nach Jaffa, dort fand er ein Schiff, das nach Tarschisch gehen sollte; er bezahlte den bedungenen Lohn, stieg hinab, um nach Tarschisch zu kommen. Seinetwegen aber erregt der Herr einen gewaltigen Sturm, um ihn, den Propheten, zu mahnen, daß er ihn auch hier zu finden wisse. Düstere Gewitterwolken verdunkelten den Horizont, der Sturm raste, Donnergetöse erdröhnte, das Meer wurde durch einen heftigen Orkan zu turmeshohen Wellen aufgejagt und das Schiff drohte jeden Augenblick zu scheitern. Alles auf dem Schiffe war in Angst und in Bewegung, sie warfen Alles, was sie bei sich hatten, über Bord, um das Schiff zu erleichtern, alles vergebens. Sie schrieen und jammerten, allein Sturm und Wellen übertönten ihr Geschrei und ließen sich nicht besänftigen. Jona verfügte sich in einen Winkel des Schiffes, legte sich dort nieder und schlief ein. Da trat des Schiffes Hauptmann an ihn heran und rief ihm mit lauter Stimme zu: „Was ist dir Schläfer, auf, rufe deinen Gott an, vielleicht nimmt er sich unser an, daß wir nicht untergehen". Auch Israel erhielt gleich dem Propheten Jona den göttlichen Auftrag als „Priester" den Nationen der Erde voran zu leuchten, sich durch einen religiösen, reinen Lebenswandel auszuzeichnen und dafür zu sorgen, daß die Kenntnis der Thora in der-Welt verbreitet werde. „Ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern, ein heiliges Volk!" Allein nicht immer hat Israel sich dieser seiner hohen Aufgabe eingedenk gezeigt. Es hat Zeiten gegeben, wo es Gott dem Herrn entflohen ist nnd seine Thora verleugnet hat. Da aber erregte der Herr immer einen Sturm, um es an die Erfüllung seiner Pflichten zu erinnern. Bei allen vorzüglichen und trefflichen Eigenschaften, die Israel schmücken, besitzt es doch auch seine Schwächen und Fehler. Israel ist groß, unvergleichlich groß in der

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