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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-11-01 · Heft 11-12 (November 1905) · p. Seite 255

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 11-12 (November 1905)
Date
1905-11-01
Page
Seite 255 (sequence 17)
Language
German
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Verschreibungen. Einige Zeit siäter unternahm er eine lange Reise über's Meer und blieb sehr lange vom Hause weg. so daß man seine Zurückkunft bezweifelte. Die Freundinnen der Fürstin besuchten sie oft und diese riefen ihr, nicht ohne Schadenfreude zu: „!Dein Gatte hat dich verlasen und kommt nie mehr Zurück". Diese Worte verfehlten nicht, einen tief betrübenden Eindruck auf die Fürstin zu machen; sie brach in Tränen aus und jammerte sehr. Sie verfügte sich dann in ihre Gemächer, holte ihren Eheveitrag hervor und als sie die großen Verschreibungen, die ihr der Gatte gemacht, gelesen^ war sie beruhigt, denn sie betrachtete dieselben gleichsam als Unterpfand der Liebe. Nach längerer Zeit kam endlich der Fürst von seiner weiten Reise zurück und rief best seiner Ankunft ganz erstc unt seiner Gattin zu: „Ich bewundere, meine Tochter, deine ^reue gegen mich, wie dein: seltene Ausdauer".' „Wäre ich nicht", entgegnete sie, „durch die vielen Verschreibungen, die du mir gemacht, von deiner wahren, aufrichtigen, innigen Liebe und Treue zu nur überzeugt gewesen, wahrlich die Spöttereien und höhnischen Bemerkungen meiner Freundinnen würden mich wankend gemacht haben." So. verfahren auch die Vilker mit Israel. Sie rufen ihm höhnend zu: „Euer Gott hat sich von euch entfernt, eine Herrlichkeit tront nicht mehr unter euch". Israel erträgt aber ruhig und gottergeben diese Spottrede, verfügt sich in seine Synagogen und Lehrhäuser, nimmt die Tho:a zur Hand und liest in derselben die Verheißungen: „und ich wende mich zu euch, ilh breite euch aus und nehme meinen Wohnsitz wieder unter euch" (3. SR. 26, 9—13), die es besänftigen, beruhigen und ermutigen. Wenn aber die Zeit der Erlösung herannahen wird, wird Gott der Herr seinem Volke zurufen: „Ich bewundere eure Treue und seltene Ausdauer." Israel antwortet dann: „Herr der Welt, hättest du uns nicht die Thora mit ihren Verheißungen und herrlichen menschenbeglückenden Lehren verliehen, wahrlich wir wären in Folge der uns von den Völkern, die wir als Freunde und Mitbrüder betrachten, zugefügten Schmach wankend gemacht worden". Das ist eben der Sinn der Worte: „Doch erwidere ich dies meinem Herzen, und Hoffnung zu ihm (Gott) kehrt zurück". Ebenso hat der Psalmist ausgerufen: „Hätte mich nicht deine Thora erfreut pnd erquickt, wahrlich, ich wäre in meinem Elende zu Grunde gegangen" (Psalm 119, 92). „So hoffet und vertrauet auf Gott und rufet täglich zweimal inbrünstig aus: Höre Israel, der Ewige, unser Gott ist ein einig einziger Gott" (Midr. Echa 3), - Ungefähr achtzehnhundert Jahre lang bildete Israel unausgesetzt den Gegenstand des Hasses, der Verachtung und her grausamsten Verfolgungen. Überall, im Osten und im Westen, im Süden und im Norden haben die Völker sich es gleichsam zur Lebensaufgabe gemacht, den Namen Jstda zu entwurzeln. Überall haben sie sich gegenseitig zugerufen: „Kommt, laßt uns sfst Zusammenhalten, damit es uns gelinge, dieses uns so sehr; verhaßte Volk zu vernichten,. damit der Name Israel auf dem ganzen großen, weiten Erdenrunde nicht mehr pernommen werde"! Israel aber wankte nicht und schwankte nicht, blieb seinem Gotte treu, sorgte für die Verbreitung der Kenntnis der

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