Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 249 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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249 \ die Herren der Menschen ergreifen, auch derjenigen, die ihn jetzt noch überhören oder . überhören wollen. Denn das an einem Teile der Menschheit, und seien es auch nur die Inden, begangene Unrecht macht sich über kurz oder lang in der ganzen Menschheit als eiüe krankhafte Erscheinung fühlbar, und sie muß darnach trachten, sie abzustoßen. Das ist ein Gesetz der Natur und Geschichte, wie es schon in den Worten der Bibel allsgesprochen ist: „Du sollst das Böse entfernen aus deiner Mitte". Der berühmte Königsberger Philosoph Rosenkranz hat von der den Juden eigentümlichen Asbestnatur gesprochen. Der Asbest heißt bekanntlich so, weil er unverbrennbar ist. Dieses schöne und treffende Bild findet in der Geschichte der Juden seine Bestätigung mtb in dem den Flammen trotzenden Dornbusch der Bibel sein.uraltes Seitenstück. Ich möchte aber dieses Bild weiter ausführen. Der Asbest bildet wegen seiner Unverbrepnbarkeit eine Schutzwehr gegen das Feuer. Auch in dieser Richtung läßt sich' das Bild auf die Jllden anwenden. Es ist ein verhängnisvoller Irrtum, zu glauben, daß man die Juden eines Landes ohne Schaden, ja zum Schutz der übrigen Bevölkerung vernichten kann. Das war die Politik Spaniens vor vierhundert Jahren, und ich brauche nicht auszuführen, wie schwer sich diese Politik gerächt hat. Auch in Rußland hat man das Feuer der Leidenschaften angezündet, um die Juden zu vernichten, aber sie sind nur die ersten Lpfer, sie werden nicht die letzten, nicht die einzigen sein. Auch von der Flamme der Gewalttätigkeit gilt das Dichterwort: „Wehe, wenn sie losgelassen, wachsend ohne Widerstand, durch die volkbelebten Gassen wälzt den ungeheuren Brand". Rußland macht gegenwärtig die Erfahrung von der Wahrheit dieses Dichterwortes. So hat sich noch immer das all den Inden begangene Unrecht durch sich selbst bestraft. Die Juden in Rußland zittern vor den entfesselten Elementen, aber sie zittern nicht allein, auch in den höheren Regionen beginnt man zu zittern. Das Judentum als geschichtliche Erscheinung wird seine Asbestnatur nicht verlengneü. Es ist unverbrennbar, unüberwindlich, ewig. Aber diese aus der Geschichte gewonnene Erkenntnis kann uns nicht abhalten von dem Aufschrei, von der Trauer über das unter unseren russischen Gtaubensbrüdern angerichtete Blutbad, das keine Fabel, kein Märchen ist. Hochgeehrte Versammlung! Vier Jahrhunderte klingen mit,. wenn man das Wort Judentum ansspricht, und in diesem langen Zeiträume hat es der zivilisierten Menschheit ihre größten Gesetzgeber, Glaubens- und Sittenlehrer und noch mehr geschenkt. Wir Inden dürfen also wohl, ohne uns zu viel herauszunehmen, ein Wort mit der Menschheit reden. Einmütig richten wir die Frage an sie, auch die Höchstes in ihr nicht ausgenommen, ob dieses jüdische Blutbad und sein roter Schein die Liebe wiederspiegelt, die zu besitzen sie sich rühmt, ob diese Grausamkeiten dulden und ruhig allgesehen nicht ein ebenso großes Verschulden ist, wie sie begehen'? Aber' auch einnmtig und voll Ehrfurcht erheben wir uns vor den Manen jener Erschlagenen und Hijngemordeten, die ihr Leben nicht um den Preis der Selbstverleugung ihres Glaubens verkaufen wellten. Einmütig und voll Zuversicht stimmen wir in den alten