Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 248 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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248 Solidarität aller Menschen ersetzt und überflüssig gemacht ist. chieht, fühlt jeder Jude das dem Juden als solchem angetane selbst zugefügtes, und es ist nur natürlich, daß, soweit Juden auf n, sie alle, aber auch alle, das über die russischen Juden hereineigenes empfinden. denn das Recht auf dieses Mitleid streitig machen? Man bestreitet es gibt Viele, die uns alle Rechte, selbst das Recht der Existenz as man in Rußland praktisch ausgeführt hat, aber das Recht auf Unglücklichen, das Recht auf die Mittrauer über die so grausam er, Frauen, Greise, Kinder — das wird man uns hoffentlich nd schon längst durch di Solange dies nicht «gejs Unrecht als ein ihm dem Erdenrund wohnh gebrochene Unglück als Will man uns uns manches Recht, u aberkennen möchten, nji das Mitleid mit jenen hingeschlachteten Mänr l zuerkennen. j Dieses Mitleid |uitb diese Mittrauer laut vor aller Welt zu bekunden, wie wir sie bereits in der stillen Zurückgezogenheit unserer Gotteshäuser bekundet haben, dazu haben wir uns hier versammelt. Ein gemeinsamer Aufschrei, in dem sich unser grenzenloser Jammer über das Unerhörte, an das alle Schrecknisse des Krieges nicht heranreichen, Luft macht — das ist der Zweck dieser Versammlung. Wer wäre überlegt und gerechnet genug, danach zu fragen, ob dieser Aüfschrei etwas nutzen kann und wird. Hat je ein Mensch, der sich auch nur eine Spur von Empfänglichkeit für fremdes Leid und Weh bewahrt hat und dem der Anblick einer Gewalttat einen Ausrr f des Schreckens und des Abscheues erpreßt — hat je ein solcher Mensch in solchem Augenblick danach gefragt, ob dieser Ausruf nütze oder nichs? Er ist der Ausdruck einer Reflexbewegung, der sich ganz von selbst aus der fühlendest Brust auslöst. Wir aber sollten diesen Aufschrei unterdrücken und nicht vielmehr vor der breitesten Öffentlichkeit ausstoßen angesichts der Unmenschlichkeiten, die eine wilde Horde an unseren russischen Glaubensbrüdern verübt hat und die diejenigen, die sie hätten verhindern können und müssen, ruhig haben geschehen lassen, ja, mit teuflischer Berechnung als eine Ablenkung, zur Befriedigung der rohesten Instinkte selbst herbeigeführt haben? Aber unser Aufschrei wird auch. nicht wirkungslos verhallen. Auf welche Weise ist denn überhaupt alt^s, eiugelebtes llnrecht jemals beseitigt worden? Auf welche Weise wurde der Sklaverei, der. Leibeigenschaft, der Unterdrückung des Bürger- und Arbeiterstandes und ustserem eigenen bürgerlichen und politischen Tiefstände ein Ende bereitet? Man hat wieder und wieder Notschreie ausgestoßen. Sie wurden lange überhört und mißachtet, witz von dem egyptischen Pharao, der trotzig ausrief: -,Wer ist der Ewige, daß ich auf sei'ie Stimme hören sollte?" Aber die Notschreie wurden immer lauter und lauter, sie kamen von allen Seiten und schwollen zu einem Donner ast, der sie nicht mehr überhören ließ, und unter diesem Donner brachen Unrecht und (Gewalt zusammen. So wird der Aufschrei aller Juden über die letzten Ereignisse in Rußland