Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 244 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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244 Herrschaften astszurnfln, daß der Gott des Judentums ein Nationalgott sei. Dagegen müssen wir gcchz euer zisch protestieren. Der Gott des Judentums ist im Gegensatz zu den Nationalgöttern der einig einzige. Entweder der Gott der Propheten, der Gott der Bibel oder gar kein Gott. Das ist unser Besitz, der uns mit Ehrfurcht erfüllt, den wir nicht antasten lassen werden. Wir wollen uns durch Schriften, wie die Harn ack'scheu, nicht unsere Ehre antasten lassen. Man sagt: wir können nicht Deutsche sein, weil wir Juden sind. Als ob in Deutschland nicht auch Kelten, Slawen usw. wohnen.und gute Deutsche sind. Haben nicht die deutschen Juden ihre Pflicht auf dem Schlachtfelde ebenso treu erfüllt, wie die Christen? Hat man danach gefragt, ob das auf dem Schlachtfelde vergossene Blut arisch oder jüdisch war? Ist denn Christentum und Deutschtum identisch? Die H.auptsache ist doch, daß wir Deutsche sein und bleiben wollen, daß wir deutsches Empfinden haben. Man wendet ein, die Juden scheuen die Arbeit. Wir sind von Hanse clus ein Ackerbau treibendes Volk. Man hat aber den Juden vom Ackerbau und allen Handwerken ausgeschlossen. Wenn man die Juden genau zählen wollte, dann würde iian sehen, daß die Juden die ärmsten Leute sind. Die jüdische Religion ist die erste Kultur, die erste soziale Religion, von der aller soziale Segen, Freiheit und Recht arsgeht. Der Redner schlug folgende Erklärung vor: „Die Hauptverlammlung des Verbandes der deutschen Juden weist aus tiefster Überzeugung die gegen die Lauterkeit der jüdischen Religion gerichteten Angriffe zurück und wiederholt die längst bekannte Wahrheit, daß das Judentum, die Mutter der monotheistischen Relig onen, auf der Grundlage eines reinen Gottesglaubens, die alle Menschen umfassende Nächstenliebe lehrt, volle Hingebung an das Vaterland gebietet und du Betätigung sozialer Pflichten als religiöses Ideal anfstellt." Alsdann referierten Herr Justizrat Breslauer-Berlin und Herr Rechtsanwalt Dr. Ernst Au erb ach.-Frankfurt a. M. über „Die staatliche Lage der Juden in Deutschland". Herr Justizrah Breslauer wies darauf-hin, daß die Juden von fast allen Staatsämtern ausgeschlossen seien. Der Jude könne noch so viel leisten, noch so viel zur Förderung, der Wissenschaft tun, er erhalte.dennoch keine ordentliche Professur. Am Reichsgericht sei -kein Jude: kein Jude sei Präsident oder Oberlandesgerichtsrat. Der einzige Ausnahn^efall brauche in dieser Versammlung nicht weiter erörtert zu werden. Vorsitzender seiner Strafkammer werde kein Jude. Man ernenne die jüdischen Rechtsanwälte zu Ju^tizräten, weil es schön aussehe und nichts koste; vom Notariat suche man aber Juden auszuschließen. Ja, es gebe ganze deutsche Gebietsteile, in denen die Juden von dem Geschworenen- und Schöffenamt ansgeschlossen seien. daß, wenn man einen Juden befördern wolle, ihm nahelege, sich taufen zu lassen. Seh!e man denn nicht ein, daß der Staat sich auf Leute, die äußerer Vorteile wegen ihre Religion wechseln, nicht verlassen kann? Hat denn der katholische vergessen, daß es eine Zeit gab, in der sie nicht Hammer, sondern denn die Protestanten vergessen, daß ihre Glaubensgenossen in Teil der Bevölkerung Ambos war? Haben t