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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-11-01 · Heft 11-12 (November 1905) · p. Seite 245

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 11-12 (November 1905)
Date
1905-11-01
Page
Seite 245 (sequence 7)
Language
German
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T 245 mehreren Ländern Europas zurückgesetzl werden? Muß es nicht jeden anständigen deutschen Staats<stirger mit Scham erfüllen, daß auf die christliche Taufe eine Prämie gesetzt werde? Der Redner wies weiter darauf hin, daß die Juden in der Armee zurückgesetzt und von dep Reserveoffizier-Laufbahn vollständig ausgeschlossen werden, obwohl; auf den Schlachtfeldern von 1813 der erste, der mit dein Eisernen Kreuz geschmückt wurde, ein Jude, namens Günsburg, war. Die Juden dürfen nicht aufhör<»n zu kämpfen, bis ihnen ihr verfassungsmäßiges Recht werde. Wenn die Juden sich weder ihr. Deutschtum noch ihren Glauben verkümmern lassen wollen, dann werde dies dem Baterlande und dem Judentum zum Segen gereichen." Herr Rechtsanwalt Dr. Erst st Auerbach-Frankfurt a. M. hob hervor: „Wenn wir die Tatsachten betrachten, die die staatliche nützliche Lage der Juden in Deutschland ergibt, so verdichtet sich diese Berichterstattung zur wichtigen Anklage, erhoben im Namen des Gesetzes und der Menschlichkeit^ Diese Anklage muß in uns peinliche Empfindungen hervorrüfen, einerseits wegen der sittlichen Verderblichkeit dessen was wir anklagen, und andererseits, weil uns das Gefühl jbcr Scham überkommt in bezug auf die Begründung, die für die Versagung unserer Rechte gegeben wird, weil die Begründung unwahrhaftig und unstichhaltig ist. Daß auf die Taufe eine Prämie gesetzt werde, sei zu bedauern, nicht blos im Interesse der Indens sondern auch im Interesse des Staates. Wir sind kein Bol!k im Volke, sondern ein Teil des deutschen Volkes. Männer jüdischen Glaubens haben vereint mit christlichen Volksgenossen der deutschen Kultur zum Siege verholfen. In Kunst und Wissenschaft, in Haüdel und Industrie haben sich die Juden sehr hervorgetan, oiuf den Schlachtfeldern haben sie dem deutschen Namen Ehre gemacht, und es waren auch Juden, die, von ihren christlichen Volksgenossen gewählt, mitgeschmiedet haben die rechte Form der deutschen Einheit. Dieser Blick auf die Vergangenheit muß uns stärken für die Zukunft und uns den Weg weisen. Unser Kampf muß vor allem sein der Kampf für unser Recht. Er muß liegen in der geistigen Mitarbeit an allem, was das deutsche Volk bewegt, aber neben der stillen Arbeit haben wir laut und offen unsere Rechte zu betonen und zu verlangen von jenen, die sie uns versagen. Wir betteln nicht mehr um Gnade, sondern unser Ruf nach unseren Rechten ergeht an diejenigen, die beschworen haben,- die Verfassung zu achten und gewissenhaft zu beachten. Dieser Ruf kanst nicht verhallen, weil er der Empörung und Entrüstung entstammt derer, die ihre Psticht erfüllt haben und in ihren Rechten gekränkt sind. Wir wollen kämpfen im Sinne und Geiste der Juden und Christen, die vor uns für Recht und Freiheit aller Menschen gekämpft haben." Hierauf gelangte folgende Resolution zur Verlesung: und Gesetz gewährleisten die Gleichberechtigung aller Deutschen ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses. Gleichwohl findet bei der Besetzung öffentlicher Ämter fjaft überall eine Zurücksetzung oder Ausschließung von Personen jüdischen

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