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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-11-01 · Heft 11-12 (November 1905) · p. Seite 243

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 11-12 (November 1905)
Date
1905-11-01
Page
Seite 243 (sequence 5)
Language
German
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243 Aufgabe gemacht habe, könne nich^ genügen. Auch der israelitische Gemeinde- Bund sei nicht zu einem Verbanhe deutscher Juden auszubauen gewesen. Die Juden werden nicht blos von allen öffentlichen Staatsämtern ausgeschlossen, viel schlimmer sei der gewerbliche Boykott. D^e Juden werden aus allen gewerblichen Organisationen hinausgedrängt. Es gebe aber noch eine ganze Reihe anderer Dinge, bezüglich deren die Juden ihre Stimme erheben müssen. Wir müssen zeigen, daß die jüdische Religion, die wir von unseren Vätern ererbt, ganz modern und ethisch ist. Der Umstand, daß die Vertreter der jüdischen Gemeinden so zahlreich hier erschienen sind, ist ein Beweis, daß es etwas für die Juden Gemeinsames gibt, das man zu wahren habe. Wir wollen uns nicht deshalb zurücksetzen lassen, weil wir als Juden geboren sind, und an der Religion festhalten, für die unsere Väter gestörben sind. Wir wollen mit der Fackel der Währ heit unsere Rechte verteidigen. Möge uns in diesem Kampfe der Beistand Gottes nicht fehlen. Im Anschluß an diese Rede brachte der Vorsitzende folgende Resolution zur Verlesung : „Die Hauptversammlung des Verbandes Deutscher Juden sieht in dem Verbände die auf autonomer Grundlage geschaffene Vertretung der deutschen Juden. Zweck des Verbanhes ist es, die geistigen Kräfte der deutschen Juden zu gemeinsamer, planmäßiger Arbeit zusammenzuschließen, um das Judentum selbst zu kräftigen und die Gleichberechtigung zur Wahrheit zu machen. Aufgabe des Verbandes ist es insbesondere: 1. alle Deutschen jüdischen Glaubens im Bewußtsein ihrer Zusammengehörigkeit zur Abwehr unbegründeter Angriffe und zur gemeinsamen Verteidigung der ihren staatsbürgerlichen Pflichten entsprechenden staatsbürgerlichen Rechte zu vereinen; 2. als berufenes Organ an zuständiger Stelle die berechtigten Wünsche und Beschwerden des Deutschen jüdischen Glaubens vovzutragen und'zur Anerkennung zu bringen: 3. alle Angriffe gegen die religiöse Ehre des Judentums und gegen die Freiheit der Religions- Übung abzuwenden, insbesondere der Agitation gegen das rituelle Schlachtverfahren entgegenzutreten und auf die Beseitigung der durch staatliche oder kommunale Anordnungen erlassenen Verbote hinzuarbeiten; 4. allen, welche die Bestrebungen des Verbandes zu fördern bereit sind, mit Nachweisstngen dienlich zu sein." Alsdann hielt Herr Rabbiiter Dr. Werner-München einen Vortrag über das Judentum im Lichte moderner Kritik. Der Redner besprach zunächst die Angriffe, welche von der Babel-Bibel-Partei gegen' den Monotheismus erhoben wurden, und sodann die Angriffe, welche die Rassenfanatiktr gegen das Judentum gerichtet haben. Wir geben Babel, was Babels ist, und der Äibel, was der Bibel ist. Aus Babel starrt uns trotz seiner Kultur der krasse Götzendienst an; aus der Bibel weht nns göttliche Weisheit, reine Heiligkeit entgegen, hier weht Menschengeist, dort weht Gottesgeist, hier herrscht Menscheinkunst, dort haben wir Sittaihöhe. Es ist betrübend und traurig zugleich, daß der größte und berufenste Vertreter dieser Wissenschaft sich nicht scheute, vor den höchsten

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