Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 242 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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242 Zusammenfassung der geistigen Kräfte, über die die deutsche Judenheit perfügt. Wir haben nur den! einen Wunsch, daß man, nachdem der herrlichen Worte in den letzten Jahren genug sgefatten sind, sich endlich zu Taten aufraffe, damit die Gründung des Verbandes der!deutschen Juden eine neue segensreiche Epoche in der Geschichte derselben bedeute. In dir erste i Hauptversammlung des Verbandes, die man als eine begeisterte Kundgebung füj' die gemeinsamen Angelegenheiten des Judentums bezeichnen kann, waren Vertreter von 3.63 Gemeinden erschienen. Im Namen des Ausschusses des Verbandes richtete der Besitzend,' desselben, Herr Justizrat Dr. Edmund Lach mann herzliche Begrüßungswo^te an die Erschienenen und wurden ihm folgende Herren als Beisitzer beigegeben: Rechtsanwalt Dr. Blau-Frankfurt a. M., Stadtrat Homburger-Kprlsruhe. Landger^chtsrat W o l l st e i n - Breslau, Kommerzienrat G a l l i n g e r - Nürnberg, Professor Dr. iLassckr-Lohn-Königsberg und Kirchenrat Dr. Krön er-Stuttgart. Unter ledhaftein Beifall wurde alsdann folgendes Begrüßungstelegramm an Seine Majestät den Kaiser zjur Äbsendung gebracht: „Eurer Majestät bringen dreihundert Abgesandte deutscher jüdischer Gemeinden aus allen Teilen des Reiches, geeint im Verbände der Deutschen ^uden, welcher zur Zeit hier seine Hauptversammlung abhält, alleruntertänigste Huldigung wird das Gelöbnis unwandelbarer Treue dar", auf welche folgende Antwort aus hem Zipilkabinet telegraphisch eingegangen ist: „Seir^e Majestät der Kaiser und König lassen der Hauptversammlung des Verbandes Deutscher Juden für den Ausdruck treuer Ergebenheit danken. Auf Allerhöchsten Befehl der Geheime Kabinetsrat v. Lucanus." Herr Rqbbiner Professor Dr. May bäum hielt die Weiherede, anknüpfend an die Worte „Gesegnet sei, Hause des Ewigen" als solche fordern mir unser Recht und unsere Freiheit. Trotz der Eigenart unserer religiösen Übmlg und und in unserer her da kommt im Namen des Ewigen, wir segnen Euch aus dem Er sagte unter Anderem: Als Juden versammeln wir uns und der Verschiedenheit unserer Weltanschauung, die in unserem Wesen Geschichte begründet sind, verlangen wir gleiches Recht und gleiche Wertschätzung. Deyn unsere Religion erzieht uns zur Sittlichkeit, zur opfermutigen Hingebung für Kaiser und Vaterland und zur freudigen Mitarbeit an allen Kulturausgaben der Gesamtheit. Dif Unduldsamkeit, die wir von hohen Staatsbehörden erfahren, fühlen wir wie ein unerträgliches Joch, gegen das wir mit allen . Mitteln des Gesetzes und mit allyn Waffen der Humanität und der Wissenschaft ankämpfen wollen. Hierauf sprach HerrJustrzrat Dr.Eugen Fuchs-Berlin über Entwicklung und Aufgaben dies Verbandes der deutschen Juden. Die Not der Zeit habe den Verband geschaffen.!Es sei nicht nur notwendig, den Antisemitismus abzuwehren, sondern auch eine Vertretung zu schaffen, die alle Rechte der Juden wahrnehme. Es sü gefragt worden, weshalb mußte eine neue Organisation geschaffen werden? Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der nur aus einzelnen Mitgliedern bestehe^ und lediglich die Abwehr des Antisemitismus sich zur