Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1905)
- Date
- 1905-10-01
- Page
- Seite 235 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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235 — Fürsten und „Bürgermeister" ausgerüstete Mann stand bei Hofe in hoher Gunst. Er gründete eine Privat - Synagoge, die vom Stadtrat Leipzigs privilegiert wurde. Aber wie die Mücke, die um die Lampe fliegt, der Flamme immer näher und näher kommt und schließlich von ihr verbrannt vird, so ging es auch Abraham, der sich an der Flamme der Hofgunst erwärmte und dann von ihr verzehrt wurde. Abraham wurde seiner Güter beraubt und des Landes verwiesen. Warum? Darüber gibt die Chronik keinen Aufschluß. Von da ab durfte sich kein Jude mehr ansässig machen, und doch wurde, als 1447 die schwarze Pest ausbrach, dies den Juden in die Schuhe geschoben, da sie die „Brunnen vergiftet" hätten. Nur zur Messe durften sich später einzelne Juden vorübergehend in Leipzig aufhalten. Es gab daher „geduldete" Betstuben. Erst 1832 sprach die sächsische Ständekammer das Wohnrecht allen Juden zu und erst 1872 wurden die Juden in Ausführung der Bestimmungen der Reichsverfasiung für politisch gleichberechtigt geachtet. Das bezügliche Gesetz wurde vom damaligen König Johann von Sachsen unterzeichnet. 1847 wohnten nur 60 Seelen, 1855 bereits an 400 Seelen in Leipzig, die die Synagoge bauten. Heute zählt die Leipziger Gemeinde mehr als 6000 Mitgleder, ca. die Hälfte der Juden des ganzen Königreichs Sachsen. — Die Einweihung des neuen Anstaltsgebändes der Straßurger Israelitischen Kunst- und Gewerbeschule ist am 4. September unter großer Beteiligung der staatlichen und kommunalen Behörden erfolgt. Der Unterstaatssekretär der Reichslande, Dr. von Sch raut, hielt dabei folgende Ansprache: „Der Herr Statthalter hat mich beauftragt, Ihnen seinen Dank für die freundliche Einladung und besten Wünsche für das Gedeihen der Anstalt auszusprechen. Ihre Anstalt hat schon viele Jahrzehnte gewirkt; ihre Geschichte, die uns der allgeehrte Herr Präsident soeben mittgeteik hat, ist eine ununterbrochene Ehrentafel von Arbeit, Opferwilligkeit und stolzen Erfolgen. Sie haben hierdurch Ihr volles Verständnis dafür bekundet, wie nützlich humanitäre Einrichtungen sind, die den Unbemittelten eine beruf-mäßige Ausbildung und die Erziehung zur Selbständigkeit ermöglichen. In unserer wirtschaftlich, technisch und sozial so bewegten Zeit kann der Einzelne nur durch eigene wirschaftliche Einsicht und Charakterstärke vorwärts kommen und sich im Beruf zurechtfindeü: „Prüfet alles und das auf die persönliche Geschicklichkeit und daher jede werktätige Hilse, die der und volle Anerkennung gebührt auch und im öffentlichen Leben nach dem alten Satze gute behaltet." Namentlich im Handwerk kommt Tüchtigkeit das nieifte an. Anerkennung verdient Jugend die Erreichung dieses Zieles erleichtert, allen denen, die mit Rat und^Tat, ohne ein Opfer zu scheuen, die Gewerbeschule fördern. Auch die Regierung wird die Entwicklung dieser Anstalt wie alle für das Handwerk nützlichen Einrichtungen mit Jntereffe verfolgen. Lassen sie mich mit dem Bensche schließen, daß der Schule auch fernerhin möge, zum Vorteil Ihrer Zöglinge und zum Nutzen des Handwerks." Zu den Kosten für den Erwerb des Grundstückes, auf dem das neue Gebäude sich erhebt, haben I hochherzige Gönner Spenden beigetragen, darunter