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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-10-01 · Heft 10 (1.10.1905) · p. Seite 234

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 10 (1.10.1905)
Date
1905-10-01
Page
Seite 234 (sequence 20)
Language
German
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234 dringend des äußeren wie Wenn infolge konfessioneller Zustände sich ergeben, wie treffen sind, dann können Schuld daran zu tragen. Aber abgesehen von religiösen Erwägungen, ist es auch eine Pflicht und Gerechtigkeit, die Gefühle Andersdenkender zu schonen. Geringschätzung und Verletzung anderer Anschauungen sind immer ein Zeichen kleinen, unedlen Geistes,^weshalb wir sowohl den Pfaffenkoller einerseits, wie die Ketzerriecherei andererseits verurteilen. Mit Recht hat unser Kaiser betont, daß du , wahre Geistesfreiheit in der Achtung der Überzeugung Andersdenkender bestehe. Bcn der Achtung der Schonung, die wir für die Andersdenkenden -verlangen, nehmen wir auch jene religiösen Gemeinschaften nicht aus, die nicht auf christlicher Grundlc ge stehen,' aber mit uns ihren Gott suchen. Die bürgerliche Toleranz gestaltet sich sonnt zu einer bürgerlichen Pflicht, der wir genügen müssen, weil in unserem Staat die verschiedensten Religionsgemeinschaften vorhanden sind und weil wir durch ein friedliches Nebeneinanderwohnen dem konfessionellen Frieden dienen. Konfessioneller Friede l Nicht ohne Gefühl der Wehmut und Bitterkeit können wir dieses Wort aussprechen, wenn wir an jene Zeiten zurückdenken, wo bessere Verhältnisse bestanden. Obwohl das Eindringen des Atheismus in immer weitere Kreise der Bevölkerung schon eine dringende Mahnung zur Einkehr und zur Umkehr bildet, so ist dennoch ein blinder Fanatismus und Zelotismus fortgesetzt am Werke, die Kluft zwischen den Konfessionen in einer Weise zu erweitern, daß man nicht ohne Besorgnis in die Zukunft blicken und sich der Sorge nicht verschließen kann, daß das Vaterland selbst, das so )es inneren Friedens bedarf, darunter leiden könne. Verhetzungen in unserem Vaterlande unaufhörlich sie wohl in keinem anderen Staate der Welt anzumt es jedenfalls mit gutem Gewissen ablehnen, die Gewiß, das Wort ist richtig: domo sum! Wer wollte bestreiten, daß auch in unserem Lager gegen die bürgerliche Toleranz gefehlt wird? Aber stets haben wir mit unfern Gegnern solche Erscheinungen bedauert. Wir haben nur den gewiß nicht unbescheidenen Wunsch, nach unserer Facon selig zu werden, und haben dabei die Überzeugung, daß, wenn wir unserem Gott dienen und dabei die religiöse Überzeugung Andetsdenkender achten, wir auch zugleich dem Vaterlande am besten dienen. — Am 10. September fand in Leipzig das Jubiläum des 50jährigen Bestehens der Hauptsynagoge!.statt. An den Feierlichkeiten beteiligte sich ein großer Teil der Leipziger Gemeinde.- Die Synagoge wurde 1855 eingeweiht. Sie galt als Hauptsehenswurdigkeit der Stadt. Ihr erster Rabbiner war der unvergeßliche Prediger Dr. Adolf Jellinek, später in Wien. Die Synagoge war die erste des Königsreichs Sachsen und die Leipziger Gemeinde damals die einzige. Doch gab es schon um 1200 in Leipzig Juden. Aus den Chroniken erfahren wir, daß unweit der Bartfußmühle schon 1250 eine Betstube, die sogenannte „Judenschule", bestanden hat. Diese damalige „Gemeinde Lipsk" wurde aber später vctm Markgrafen von Meißen aufgehoben, der auch das Gebäude der „Judenschule" ein^m seiner Hofleute schenkte. Kurze Zeit später wanderte in Leipzig ein Jude, namens Abraham eip. Dieser mit Freibriefen von

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