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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-10-01 · Heft 10 (1.10.1905) · p. Seite 233

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 10 (1.10.1905)
Date
1905-10-01
Page
Seite 233 (sequence 19)
Language
German
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233 ^at sich in dieser Gesellschaft, wie in der Shakespeare-Gesellschaft durch selbstlose fruchtbare Arbeit das Recht auf Dankbarkeit erworben." — In Heidelberg ist am 5. September der Professor der alttestamentarischen Theologie an der theologischen Fakultät der Berliner Universität, Dr. Friedrich Baethgen, im 56. Lebensjahre gestorben. Bon den rein theologischen literarischen Hervorbrjngungen Baethgens sind zwei Werke hervorzuheben. Gemeinsam ist beiden, daß sie theologische Fragen in einer Weise behandeln, daß daran breite Schichten der Gebildeten Interesse nehmen. Dies gilt vor allem von Baethgens „Beiträgen zur semitischen Religioinsgeschichte" (Berlin 1888). Den Kern der Erörterungen bildet eine der wichtigsten Fragen der Religionsgeschichte, nämlich die, ob die Religion des Volkes Israel ursprünglich von derjenigen der übrigen semitischen Völker verschieden war oder nicht. Damals standen sich im wesentlichen zwei Meinungen gegenüber. Nach der einen fanden sich Anklänge an den Monotheismus bei den meisten semitischen Völkern. Nach der anderen handelt es sich bei dem Monotheismus der Israeliten darum, daß sich dieser aus dem Polytheismus entwickelt hat. Baethgen versuchte demgegenüber zu beweisen, daß der Monotheismus sich nur bei den Israeliten findet, und zwar in ganz reiner Form. Reste von Polytheismus, die als Vorläufer des Monotheismrs anzusehen wären, sind in der religiösen Anschauung der Israeliten nicht aufzuzeigen. Alle polytheistischen Anklänge gehen auf fremde Einflüsse vorübergehender Art zurück. Die andere Schrift, ein Vortrag Baethgens aus dem Jahre 1880 über „Anmut und Würde in der alttestamentlichen Theologie" bietet eine feinsinnige, rein ästhetische Betrachtung der altestamentlichen Dichtung dar. Auch hier finden sich wertvolle Hinweise auf die Besondernheit der altisraelitischen Religionsanschauüngen. Vermerkt seien noch Baethgens Übertragung und Erläuterung der Psalmen, die Übersetzung des Hiob und seine Neubearbeitung des Riehmschen „Handwörterbuch des biblischen Altertums". — Der großherzogliche Bezirksrabbiner Dr. Julius Lewit hatte jüngst im Schlosse zu Darmstadt Audienz bei dem Großherzog von Hessen. Derselbe erkundigte sich bei Dr. Lewit über einige Verhältnisse der Bezirksgemeinde und über die Art der rabbinischen Tätigkeit in den Gemeinden. Hierauf wurde H)r. Lewit im Staatsministe^rium empfangen, wo Ministerialrat Braun eingehend mit ihm über den neuen Gesetzentwurf für die jüdischen Gemeinden in Heflen sprach, nach welchem die Stellung,der Rabbiner besser geregelt und auch die Religionslehrer staatlich angestellt werden sollen. Der Ministerialrat nahm es als bestimmt an, daß der Gesetzentwurf im nächsten Landtag und sodann in den beiden Kammern zur Annahme gelangt. — Die Verhandlungen des deutschen Katholikentags, der diesmal in Straßbürg sich versammelte,, bieten auch für uns Interessantes. Das Bemerkenswerteste war wohl die Rede des Zentrum--Abgeordneten de Witt-Köln über religiöse Toleranz. Wir entnehmen derselben folgend« Sätze: „Man muß auch die religiöse Überzeugung Andersdenkender achten den Grundjätzen der bürgerlichen Toleranz gemäß, das entspricht nicht nur dem Prinzip der Liebe, sondern auch dem Prinzip der christlichen Demut.

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