Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1905)
- Date
- 1905-10-01
- Page
- Seite 230 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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230 schäumenden Reichtum dramatischer Gegensätze mußte zu künstlerischer Gestaltung reizen. Geniale Dichterkraft hat sich denn auch ihrer bemächtigt und versucht, sie in ihren Stimmungen und Strebungen darzustbllen. * . * \ * r, Ein Präludium, eine großzügige Einführung in diese ganze Geschichtsphase, ist Hebbels Herodes und Mariarme. Hebbel, markig und knorrig wie die Strandeichen seiner nordischen rpeerumspültm Heimat, zeigt sich in seinen Dramen als der kraftvolle In Unserem Stück sinnt er über seine Lieblingsfrage, Ein j zarthesaitetes Frauengemüt verblutet unter der tiefgründige Problemerforscher. das Thema des Gattenrechts. brutalen Gewaltherrschaft eirns genia Sache sieht, über er nach Willkür in sich selbst keinen Wert trägt en Kraftmenschen, der in seinem Weibe nur die verfügt, das Mittel zu Lust und Vergnügen, das Äerodes, eine echte Herrenmenschnatur im Sinne Nietzsches, hat über Trümmer und Leichen seinen Tron erbaut und ist Manns genug, ihn auf diesem Beden zu erholten. Mariamne, deren Vater er gemordet, deren erlauchte Familie er vernietet hat, ward sein Weib — nicht ohne Liebe. Wie Judit in Hebbels Drama sich gerade durch bxt macht- und kraftstrotzende Persönlichkeit des Holofernes überwältigt fühlt, so sieht auch Mariamne durch den eigenartigen Zauber des dämonischen Herodes, durch seine zähe, jeden Widerstand brechende Willenskraft, mit ihrem ganzen Sein und Fühlen sich an ihn gefesselt. Doch Herodes, der rücksichtslose Selbstling, mißachtet ihre Zuneigung. Den anmutigen Bruder seiner Gattin, den jugendschönen Aristobul, läßt er im Bade erwürgen, weil dem liebreizenden Jüngling sich die Liebe des Antonius und die Gunst des Volkes zuwendet. Vergebens heuchelte der Meuchelmörder Trauer, cs liegt klar zu Tage, wer den Hasmonäerprinzen beseitigt hat. In furchtbarer Verkettung sollte ich dieses Untat an dem Ruchlosen rächen. Antonius beruft ihn zr sich. Herodes soll sich rechtfertigen. Der Schwerbelastete entschließt sich zur Reise, gibt aber vorher den Blutbefehl, falls er nicht wiederkäme, sein Weib Mariamne zu ermorden. Kein anderer solle sich ihrer freuen. Mariamne kommt hinter dadüstere Geheimnis. Ihr Schwager Joseph, dem der Mordauftrag geworden war, läßt es sich entlocken. Herodes kehrt heim. Im gekränkten Frauenstolz Vorwürfen über sein liebloses Gebot. Herodes antwortete man frohe Feste. Tanz Mariamne hatte Wieder den Der letzte Funken jauchzt, man spielt und zecht, Mit heißem Lietzeswerben Joseph.! Wieder will der Tyrann Jerusalem verlassen. empfängt ihn Mai iamne mit darauf mit der Tötung des Sein Vertrauter Soemus erhält den Mordauftrag, die Königin zu beseitigen, falls dem König ein Unglück zustoßen sollte. Da verbreitet sich in Jerusalem das Gerücht, daß der königliche Bchrdbube gestorben sei. Alles atmet befreit auf. Im Palaste feiert un) Jubel, Spiel und Gesang erfüllt die weiten Hallen. Anschläg auf ihr Leben durch Soemus Freimut erfahren. Liebe zu ihrem blutbefleckten Gatten ist erloschen. Man singt und da öffnen sich die Pforten und hereintritt der Totgesagte, njaht er sich seinem schönen Weibe. Dies weist ihn mit