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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-10-01 · Heft 10 (1.10.1905) · p. Seite 228

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 10 (1.10.1905)
Date
1905-10-01
Page
Seite 228 (sequence 14)
Language
German
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228 Kampfe gegen die Sittenlosigkeit Gedrückten: ihre Religion war das Recht. Und Israels Geschichte aus späterer Zeit, kündet sie uns nicht hundert- und tausendfältig: Religion ist trotz Kampf und Tod, trotz Str ihrer Zeit, in der sozialen Fürsorge für die Armen und Leben, heißes, glutvolles Leben, das sich aufopfert für Leben? Schon der Vorgang allein, daß unsere Väter rm und Leid den Gedanken des Monotheismus siegreich durch die Jahrhunderte getragen haben, ist Zeugnis für des Judentums unverwüstliche Lebenskraft. Unser Bekenntnis mußte bestehen, weil die Idee, die in ihm rubt, unsterblich ist. Hier hat die alte Wahrhei: aufs neue sich bewährt: nicht die Menschen tragen die Ideen, sondern die Ideen tragen die Menschen, und eine der höchsten und reinsten Ideen ist die der Religion; sie sst ewig, denn sie ist göttlich. Wer ihres Odems Hauch verspürt, der steht in ihrem Bann. Auch sein Leben wird Religion. Laßt uns daraus lernen! Laßt uns durch flnsere Tat bekunden, daß die Saatkörner, die im Gotteshause ausgestreut werden, auch in'unserer Seele Wurzel fassen und keimen und sprossen und köstliche Früchte reifen! Hnser Leben sei Religion! Unsere Religion sei Leben! Meine Andächtigen! Israels Propheten, diese gottbegeisterten Schöpfer der optimistischen Weltanschauung, haben mit kühnem Seherblicke in die Zukunft der Zeiten geschaut und den Tag verkündet, da Gotteserkenntnis und Menschenliebe die Erde erfüllen, wie Wasser die Meerestiefen bedecken. Wann dieser Tag uns erstehen wird, ich weiß es nicht, kein Mensch kann's wissen. Jahrtausende mögen noch dahinrauschen im Strome der Zeit, ehe das große Prophetenwort sich erfüllt. Aber das Eine weiß ich ganz gewiß: nicht durch ein Wunder wird die Stunde uns geboren; nicht auf göttliches Geheiß ersteht sie uns über Nacht. Wir müssen sie selber vorbereiten im Gange der natürlichen Entwicklung. Wir sitzen selber am Webstuhl der Zeit und helfen des Schicksals Fäden spinnen. Und ob der einzelne euch nur wenig vermag, im kleinen Kreise müssen wir alle wirken. Denn auf der Art eit des Einzelnen ruht der Erfolg des Ganzen. Wer unter uns möchte die Verantwortung tragen, wenn einst über unser Geschlecht geurteilt würde: es hat der Menschheit großen Zwecken nicht gedient! Drum laßt uns pflegen, drum laßt m.s halten, was wir finden: unser Leben sei Religion! Denn gilt's nicht nur von dem Tempel, den wir weihen, lvo wir ein gutes Werk vollbringen, dann gilt's von Fürwahr, hier ist ein Gotteshaus, hier ist die Pforte, was wir haben, Unsere Religion sei Leben! dann gilt's von jeder Stätte, unserem Herzen, unserer Seele: die den Himmel öffnet, die Pforte der Ewigkeit. Amen!

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