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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1905-10-01 · Heft 10 (1.10.1905) · p. Seite 226

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
25 (1905)
Issue
Heft 10 (1.10.1905)
Date
1905-10-01
Page
Seite 226 (sequence 12)
Language
German
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226 keinen Tempel als Lehrstätte fü die Größe des Allmächtigen für kennen, wie die Propheten ihn -die Menschen. Denn in des Universums ewigem Reich spricht sich selbst. Hier im Gotteshause aber lernen wir den Höchsten gezeichnet haben und wie er unserem Wesen verwandt ist: als das Ideal der Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit, als das Urbild der Liebe und Treue, als den Heiligen, Vollkommenen, als die höchste sittliche Einheit. Das Beste Erhabenste, das wir auf Erden schauen, wir fassend als Abbild der Gottheit. Das islt das Große an dieser Gottesauffassung: sie hebt die sittlichen Begriffe aus dem Rah nen der Vergänglichkeit heraus und überträgt sie auf den ewigen Gott. So wird ber unsterbliche Gedanke geboren: ob auch die Sitten wechseln, die Sittlichkeit bffteht; sie ist unwandelbar, denn sie ruht in Gott. Nicht menschliche Willkür kann dar wer bestimmen; das Ewige bleibt dem Ewigen. Und ob im Getriebe tjer Welt das Gute auch oft zu erliegen droht, ob Stürme es umbrausen, Gute kann nicht untergehen, es ringt sich durch, es strebt :m Ewigen. Das ist die Lehre von der sittlichen Weltordnüng, die das Gotteshaus! im Geiste der Bibel predigt. Und dann die. Lehre von der Würde und Bestimmung des Menschen. Manch goldenes Wort steht in berii jsitdje der Bücher darüber geschrieben, und zwei unserer ob Kämpfe es bedrohen, das empor. Das Ewige bleibt d größten Gesetzeslehrer, Rabbi darüber gestritten, in welchem schönsten gezeichnet sei. AkiÜ, lesen: „Liebe deinen Nächsten Akiba und Ben Asai, haben schon vor achtzehnhundert Jahren Satze der heiligen Schrift die Würde des Staubgeborenen am l nannte das herrliche Wort, das wir im 3. Buch Mose wie dich selbst!", denn es verlange die ungeteilte Hingabe des Menschen an den Menschen. Ben Asai aber meinte: Höher noch steht mir das andere Wort auf dem ersten Blatte der Thora: „Gott schuf den Menschen in seinem Bilde"; denn dieses Wort erhebt den Staubgeborenen zum Kinde des Ewigen und weist ihm seine Pflichten als einen^l gottentstammten Wesen zu. Dieser Streit der Meinungen aus den Tagen der Vorzeit ist kennzeichnend für die Gesinnung unserer Alten. Wer so die Würde des Menschen zu Lehren weiß, der muß die Erkenntnis von dem unendlichen Werte der einzelnen Mensch^nseele tief in seinem Innern tragen. Ob Akiba oder Ben Asai, die Anschauung eines jeden von ihnen spiegelt die Lehre des Judentums von der ^Würde des Menschen vollendet wieder. Und das machte ihre Worte so bedeutsam: sie drangen in das Volk hinein.! Wie die Meister im Lehrhaus das Schriftwort erklärten die Jünger hörten es, di§ Jünger nahmen es in sich auf und trugen es in die Massen hinein; es klang wie eine Predigt aus dem Gotteshause: Gott schuf den Menschen in seinem chsten wie dich selbst! Das Bibelwort ward zum Volkswort. So ist es damals gen esen, und so soll es heute sein: das Gotteshaus ein Lehrhaus. Und ob die Zeiten sich auch geändert und die Menschen sich gewandelt haben, der Geist ist derselbe hier we dort: Gott schuf den Menschen in seinem Bilde, drum liebe deinen Wachsten wie dich selbst! So klingt's durch die Jahrhunderte als Lehre unserer Bibel; so [bringt^ in unsere Herzen als Lehre dieses Hauses: das Wesen

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