Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 25 (1905)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1905)
- Date
- 1905-10-01
- Page
- Seite 222 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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222 Rabbinern genannt, schreibt Geburtstag, wie es seine G als Antwort auf meine Gratulation zu seinem siebzigsten ^vohnheit war, in prächtiger Perlenschrift: Budapest, den 26. Juni 1899. Sehr geehrter Herr Dr.! j Durch Ihr freundliches Schreiben und Ihre herzlichen Glückwünsche, zu meinem siebzigsten Geburtstage Haber Sie rstich außerordentlich erfreut, und spreche ich Ihnen dafür meinen herzlichsten Tank aus. Den vielen Kundgebungen, welche ich aus den verschiedenen Gemeinden,^ vou Korporationen und Kollegen zu diesem Tage erhalten habe und aus den verschiedensten Gebenden und Ländern noch immer erhalte, gereichen mir zur Beruhigung, daß nimmt das Interesse für die wart immer mehr ab, deshalb. i Also nochmals besten .Budapest, es würde sich sehr ich meiw Leben nicht ganz nutzlos verbracht habe. Leider jüdische Wissenschaft auch unter den Rabbinern der Gegen- Dank! Vielleicht führt Sie Ihr Weg bald einmal nach freuen, -Sie wieder zu sehen j Ihr j Hochachtungsvoll ergebener, Dr. Kayserling. Die Erfüllung dieses Wunsches, den auch ich liebevoll im Herzen hegte, sie blieb mir versagt. Und selbst st iner sterblichen.'Hülle die letzte Ehre zu erweisen, hinderte mich zur Zeit die Festwoche. So mag denn der Hauch pietätsvoller Erinnerung dies Platt ans den Hügel des Edlen wehen. Und wenn es das ruhesame „Schweigen", das üm seine Grabesstätte schwebt, für eisten Moment stört, so geschieht es zur Ehre jener Bekennerschaft, die er so unaussprechlich treu geliebt, die stolz darauf ist,' ihn den ihrigen zu nenen, die froh in die Zukunft blockt, so lange Männer seinesgleichen ihr bestes ihr widmen! Ein Bild goldenreinen Charakters, harmonischen, schier uferlosen Wissens, unbegrenzter Humanität, so steht er da in unserer Erinnerung, unr uns emporzurichten an seinem Anblick jn kritischen Stunden. Er gleicht jenen Geisteshelden, denen er kunstgeübt neues, geistiges Leber^ eingehaucht, jenem Weisen zumäl, dem er ein unvergängliches Denkmal ge'etzt, worauf die leuchtenden Buchstaben schimmern, die auch seine eigene segensvolle Lebmsspur bezeichnen: „Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, Gutes wollen und — das Beste tun!" Neutitschein. Dr. Simon Mandl, Rabbiner